Begriffe aus China und Japan: 36 Wörter und Weisheiten mit Bedeutung
Einige Begriffe aus China und Japan sind im Deutschen angekommen, manche als Wort, manche als Weisheit. Hier stehen sie mit ihrer Bedeutung und dem, was hinter ihnen steckt.
Wörter
das Feng-Shui
Chinesische Lehre, Räume so zu gestalten, dass die Lebensenergie frei fließt; im Alltag: stimmige Einrichtung.
Wörtlich heißt Feng-Shui „Wind und Wasser“, und genau so frisch soll es durch den Raum ziehen.
Herkunft: Von chinesisch fēngshuǐ, wörtlich „Wind und Wasser“.
das Haiku
Kurzes japanisches Gedicht aus drei Zeilen mit fünf, sieben und fünf Silben, oft über Natur und Jahreszeit.
Bashōs berühmtestes Haiku handelt von einem Frosch, der in einen alten Teich springt.
Herkunft: Japanisch.
das Hanami
Japanischer Brauch, im Frühling die Kirschblüte zu feiern, meist mit einem Picknick unter den blühenden Bäumen.
In Japan verfolgt man jedes Frühjahr im Wetterbericht, wie die Kirschblüte von Süden nach Norden wandert. Pünktlich dazu: Hanami.
Herkunft: Japanisch hana „Blüte, Blume“ und mi „Schauen“: Blütenschau.
das Harakiri
Ein Schritt, mit dem jemand die eigene Stellung oder das eigene Vorhaben mutwillig zugrunde richtet.
Drei Wochen vor der Wahl die Steuern erhöhen zu wollen, war politisches Harakiri.
Herkunft: Aus dem Japanischen, wo es die rituelle Selbsttötung der Samurai bezeichnete.
der Hikikomori
Ein Mensch, der sich über Monate oder Jahre in seine Wohnung zurückzieht und jeden Kontakt meidet.
Nach drei Wochen Prüfungsphase fühlte sich Clara wie ein Hikikomori und ging endlich wieder ins Café.
Herkunft: Der Begriff kam in den 1990er-Jahren in Japan auf, wo Fachleute das Phänomen als gesellschaftliches Problem beschrieben.
das Ikigai
Japanisch für das, wofür es sich zu leben lohnt: der Grund, morgens gern aufzustehen.
Auf Okinawa, wo auffallend viele Menschen hundert Jahre alt werden, spricht man gern vom Ikigai.
Herkunft: Japanisch, aus iki „leben“ und gai „Wert, Lohn“.
das Kaizen
Japanisches Prinzip, etwas beständig in vielen kleinen Schritten zu verbessern.
Beim Klavierüben setzt sie auf Kaizen: jeden Tag fünf Minuten länger.
Herkunft: Japanisch kai „Veränderung“ und zen „gut“.
der Karoshi
Der Tod durch Überarbeitung, als Warnbild für eine Arbeitskultur ohne Grenzen.
Als die Agentur Nachtschichten zur Regel machen wollte, fiel in der Versammlung das Wort Karoshi.
Herkunft: Der Begriff entstand in Japan in den 1970er- und 1980er-Jahren, als Todesfälle nach extremen Arbeitszeiten öffentlich diskutiert wurden.
das Kintsugi
Japanische Kunst, zerbrochene Keramik mit Lack zu kitten und die Bruchstellen mit Gold zu betonen.
Die Lieblingsschüssel vom Flohmarkt zerbrach beim Umzug in drei Teile. Nach dem Kintsugi-Kurs ist sie ihr schönstes Stück.
Herkunft: Japanisch kin „Gold“ und tsugi „Flicken, Zusammenfügen“.
das Koan
Rätselhafte Frage aus dem Zen, die sich mit Logik nicht lösen lässt und gerade dadurch zum Nachdenken zwingt.
Ein berühmtes Koan des Zen-Meisters Hakuin fragt nach dem Klang einer einzelnen klatschenden Hand.
Herkunft: Japanisch kōan, aus chinesisch gong'an, ursprünglich die Akte eines öffentlichen Rechtsfalls.
das Komorebi
Sonnenlicht, das durch das Blätterdach der Bäume fällt und am Boden flirrende Flecken malt.
Picknick unter der Linde. Auf ihrem Buch tanzt das Komorebi.
Herkunft: Japanisch, zusammengesetzt aus ko „Baum“, more „durchsickern“ und hi „Sonne, Licht“, das im Wort zu bi wird.
konfuzianisch
Von Achtung vor Rangordnung, Pflicht, Bildung und Harmonie geprägt.
Bei den Sitzungen geht es fast konfuzianisch zu: Erst spricht die Älteste, dann der Rest.
Herkunft: Nach Konfuzius (551 bis 479 v.
der Kotau
Unterwürfige Ehrerbietung: Man erniedrigt sich demonstrativ vor jemandem, um ihm zu gefallen.
Vor dem Sternekoch machte die Kritikerin keinen Kotau: Sie fand das Dessert schlicht zu süß.
Herkunft: Von chinesisch kòutóu, wörtlich „mit dem Kopf aufschlagen“: Man kniete nieder und berührte mit der Stirn den Boden.
die Kulturrevolution
Ein radikaler Umbruch, der die eingespielten Gewohnheiten und Werte einer Gruppe mit Härte durch neue ersetzt.
Mit dem neuen Geschäftsführer kam eine kleine Kulturrevolution: keine Krawatten mehr, dafür Stehpulte.
Herkunft: Nach der Kampagne in China ab 1966, mit der Mao Zedong Traditionen und Institutionen des Landes radikal umwälzen ließ.
das Mikado
Eine Lage, in der alle Beteiligten stillhalten, weil verliert, wer sich als Erster rührt.
In der Koalition herrscht Mikado: Wer zuerst einen Kompromiss anbietet, gilt als Verlierer.
Herkunft: Das Geschicklichkeitsspiel ist nach dem wertvollsten Stäbchen benannt, das diesen alten Kaisertitel trägt.
das Mono no aware
Sanfte Wehmut darüber, dass alles Schöne vergeht, und zugleich Freude an genau dieser Flüchtigkeit.
Letzter Festivalabend, die Lichterketten erlöschen: Mono no aware.
Herkunft: Japanisch, wörtlich etwa „das Ergreifende der Dinge“.
das Mottainai
Japanisch für das Gefühl, dass etwas zu schade zum Wegwerfen ist; auch Ausruf: Was für eine Verschwendung!
In vielen japanischen Familien heißt es „Mottainai!“, wenn ein Reiskorn in der Schale liegen bleibt.
Herkunft: Japanisch, aus dem buddhistisch geprägten mottai, dem Wesen oder Wert einer Sache, und nai, nicht: das Bedauern, wenn dieser Wert verloren geht.
das Omakase
Menü, bei dem der Koch bestimmt, was auf den Tisch kommt; man lässt sich überraschen, meist beim Sushi.
Beim Omakase in Kyoto kam Gang um Gang über den Tresen, und keiner davon stand auf einer Karte.
Herkunft: Japanisch, von makaseru „anvertrauen, überlassen“; o-makase heißt etwa „Ich überlasse es Ihnen“.
der Otaku
Jemand, der sich mit fast völliger Hingabe einem Steckenpferd widmet, oft Comics, Spielen oder Technik.
Jule ist ein echter Eisenbahn-Otaku und kennt jede Baureihe seit 1950.
Herkunft: Seit den 1980er-Jahren in Japan für Fans von Manga, Anime und Computerspielen gebräuchlich, später für Fans aller Art.
shanghaien
Jemanden mit List oder Druck zu etwas verpflichten, das er freiwillig nie übernommen hätte.
Eigentlich wollte ich nur kurz vorbeischauen, aber Greta hat mich zum Kuchenverkauf shanghait.
Herkunft: Im 19.
das Tsundoku
Japanisch für die Angewohnheit, Bücher zu kaufen und sie ungelesen zu stapeln.
Ihr Nachttisch ist ein Denkmal des Tsundoku: sieben Romane, alle noch in Folie.
Herkunft: Japanisch, ein Wortspiel aus tsunde oku „aufstapeln und liegen lassen“ und doku „lesen“.
der Tycoon
Ein Unternehmer, der eine ganze Branche beherrscht und entsprechend reich und mächtig ist.
Der Reederei-Tycoon kaufte sich zum Sechzigsten eine Insel.
Herkunft: Vom japanischen „taikun“, großer Herr, mit dem Ausländer im 19.
das Wabi-Sabi
Japanische Ästhetik, die das Schlichte, Unvollkommene und vom Alter Gezeichnete schön findet.
Die gesprungene Teeschale mit der Goldnaht ist für sie der Inbegriff von Wabi-Sabi.
Herkunft: Aus der japanischen Ästhetik und Teezeremonie: Wabi meint schlichte, stille Einfachheit, Sabi die Schönheit von Alter und Patina.
das Waldbaden
Langsames, bewusstes Verweilen im Wald, um mit allen Sinnen zur Ruhe zu kommen.
Sonntag ohne Handy, nur Moos, Vogelstimmen und Harzduft: Waldbaden statt Brunch.
Herkunft: Lehnübersetzung von japanisch shinrin-yoku, wörtlich „Waldluftbad“.
das Wu wei
Handeln durch Nichthandeln: mühelos mit dem Lauf der Dinge gehen, statt sich gegen ihn zu stemmen.
Im ‚Daodejing‘ ist Wasser das Vorbild für Wu wei: Es gibt immer nach und überwindet doch das Harte.
Herkunft: Chinesisch wúwéi, wörtlich „ohne Tun“.
zen
Umgangssprachlich: völlig gelassen und in sich ruhend, durch nichts aus der Ruhe zu bringen.
Der Zug steht seit einer Stunde vor Fulda, und sie strickt weiter, völlig zen.
Herkunft: Nach dem Zen-Buddhismus: Japanisch zen geht über chinesisch chan auf Sanskrit dhyāna „Meditation, Versenkung“ zurück.
Feste Wendungen
Yin und Yang
Zwei gegensätzliche Kräfte, die zusammengehören und sich gegenseitig ergänzen.
Karamell mit Meersalz: das Yin und Yang der Dessertkarte.
Herkunft: Aus der chinesischen Philosophie: Yin meinte ursprünglich die Schattenseite eines Berges, Yang die Sonnenseite.
Redewendungen
Großer Sprung nach vorn
Ein ehrgeiziges Programm, das mit aller Gewalt schnelle Fortschritte erzwingen will und daran scheitert.
Die neue Software sollte der Große Sprung nach vorn werden, jetzt arbeiten alle wieder mit Papierlisten.
Herkunft: Name der Kampagne, mit der Mao Zedong China ab 1958 in kürzester Zeit industrialisieren wollte.
Sprichwörter
Der Himmel ist hoch, und der Kaiser ist weit
Weit weg von der Zentrale macht man, was man will, weil niemand hinsieht.
In der Filiale in Rostock gelten eigene Pausenregeln: Der Himmel ist hoch, und der Kaiser ist weit.
Herkunft: Altes chinesisches Sprichwort über die entlegenen Provinzen, in denen die Macht des Kaiserhofs kaum ankam.
Egal, ob die Katze schwarz oder weiß ist, Hauptsache, sie fängt Mäuse
Ob ein Mittel zur reinen Lehre passt, ist gleichgültig, solange es funktioniert.
Der Kuchen fürs Schulfest ist aus der Backmischung, egal, ob die Katze schwarz oder weiß ist, Hauptsache, sie fängt Mäuse.
Herkunft: Geht auf einen Ausspruch des chinesischen Politikers Deng Xiaoping aus den 1960er-Jahren zurück, mit dem er für wirtschaftlichen Pragmatismus warb.
Gib einem Mann einen Fisch, und du ernährst ihn für einen Tag; lehre ihn fischen, und du ernährst ihn ein Leben lang
Wer dauerhaft helfen will, bringt anderen bei, sich selbst zu versorgen, statt sie nur einmal zu beschenken.
Statt Emil die Hausaufgaben zu machen, erklärt ihm seine Mutter den Rechenweg: Gib einem Mann einen Fisch, und du ernährst ihn für einen Tag; lehre ihn fischen, und du ernährst ihn ein Leben lang.
Herkunft: Gilt im Deutschen meist als chinesische Weisheit, ein alter chinesischer Beleg dafür fehlt aber.
Lasst hundert Blumen blühen
Aufforderung, viele unterschiedliche Ideen und Ansätze nebeneinander zuzulassen.
In der ersten Phase des Projekts gilt: Lasst hundert Blumen blühen, aussortiert wird später.
Herkunft: Losung Mao Zedongs von 1956, mit der er zu offener Kritik einlud.
Regiere ein großes Land, wie du einen kleinen Fisch brätst
Wer ständig eingreift und umrührt, verdirbt das Ganze, gutes Führen braucht Zurückhaltung.
Als der neue Projektleiter jede Mail gegenlesen wollte, zitierte Nora trocken: „Regiere ein großes Land, wie du einen kleinen Fisch brätst.“
Herkunft: Aus dem Daodejing, dem Laozi zugeschriebenen Grundtext des Daoismus (Kapitel 60).
Wer andere kennt, ist klug; wer sich selbst kennt, ist weise
Menschenkenntnis ist viel wert, doch Selbsterkenntnis ist noch mehr wert.
Valentina durchschaut jede Freundin, nur ihre eigenen Launen nicht. Wer andere kennt, ist klug; wer sich selbst kennt, ist weise.
Herkunft: Aus dem Daodejing, dem Laozi zugeschriebenen Grundtext des Daoismus (Kapitel 33).
Wer den Feind und sich selbst kennt, muss hundert Schlachten nicht fürchten
Wer die eigene Lage und die Gegenseite genau einschätzt, geht sicher in jede Auseinandersetzung.
Vor der Gehaltsverhandlung hat Selin die Zahlen der Branche studiert: Wer den Feind und sich selbst kennt, muss hundert Schlachten nicht fürchten.
Herkunft: Aus der „Kunst des Krieges“, die dem chinesischen Strategen Sunzi zugeschrieben wird (Kapitel 3).
Wer weiß, dass er genug hat, ist reich
Wahrer Wohlstand liegt in der Zufriedenheit mit dem, was man schon besitzt.
Statt das größere Auto zu leasen, zitierte Vera nur: „Wer weiß, dass er genug hat, ist reich.“
Herkunft: Geht auf das Daodejing zurück, das dem chinesischen Weisen Laozi zugeschrieben wird.
Häufige Fragen
Was bedeutet Ikigai?
Ein japanischer Begriff für das, wofür es sich zu leben lohnt: das, was einen morgens aufstehen lässt.
Was ist Kintsugi?
Eine japanische Technik, zerbrochene Keramik mit Lack und Gold zu reparieren. Die Bruchstellen werden nicht versteckt, sondern betont. Übertragen steht Kintsugi dafür, Brüche im Leben als Teil der eigenen Geschichte zu sehen.
Woher kommt das Wort Kotau?
Aus dem Chinesischen. Gemeint war ursprünglich der Kniefall mit der Stirn auf dem Boden vor dem Kaiser. Heute nennt man so eine übertriebene, unterwürfige Geste.
