Wortschatz und Redewendungen
Ein großer Wortschatz zeigt sich nicht an seltenen Fremdwörtern, sondern daran, für eine Lage das passende Wort oder die passende Redewendung zu finden. Hier steht, was beides ausmacht, mit Beispielen und allen Themen auf einen Blick.
Wortschatz: Wörter, die man kennt, aber selten benutzt
Die meisten Erwachsenen verstehen viel mehr Wörter, als sie selbst benutzen. Im Gespräch greift man zu den immer gleichen: gut, wichtig, interessant. Wer seinen Wortschatz erweitern will, holt vor allem die Wörter hervor, die er beim Lesen versteht. Ein paar Beispiele:
lakonisch
Knapp und präzise, wortkarg auf wirkungsvolle Weise.
Die Tafel der Fischbude am Hafen war lakonisch: Fisch. Pommes. Bier.
die Nebelkerze
Gezielte Ablenkung von der eigentlichen Frage.
Als die Mutter nach dem Zeugnis fragte, warf der Sohn eine Nebelkerze: Ob sie schon den neuen Hund der Nachbarn gesehen habe?
die Gretchenfrage
Die heikle, direkte Frage, mit der man jemanden zwingt, seine wahre Haltung offenzulegen.
Beim dritten Date kam die Gretchenfrage: Wie hältst du’s mit Kindern?
die Gemengelage
Eine komplexe, unklare Mischung verschiedener Faktoren.
Zwei Exfreunde, ein Brautstrauß und reichlich Sekt: eine Gemengelage, die jede Hochzeit spannend macht.
der Zugzwang
Eine Lage, in der man handeln muss, obwohl jede Handlung Nachteile bringt.
Im Endspiel geriet Schwarz in Zugzwang: Jeder mögliche Zug kostete eine Figur.
der Duktus
Charakteristische Linienführung einer Schrift, übertragen der typische Stil einer Rede oder eines Textes.
Am Duktus der Mail erkannte ich sofort, dass sie vom Finanzchef kam.
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Redewendungen: fertige Bilder für ganze Gedanken
Eine Redewendung sagt in wenigen Wörtern, wofür man sonst einen Nebensatz braucht. Viele haben eine Geschichte, die erklärt, warum sie bedeuten, was sie bedeuten. Wer sie kennt, setzt sie sicherer ein. Ein paar Beispiele:
den Bock zum Gärtner machen
Ausgerechnet dem eine Aufgabe übertragen, der ihr am meisten schadet.
Den Naschkater zum Hüter der Keksdose zu ernennen hieße, den Bock zum Gärtner zu machen.
einen Bärendienst erweisen
Jemandem in guter Absicht helfen, dabei aber Schaden anrichten.
Die Nachbarin goss seine Kakteen im Urlaub jeden Tag und erwies ihm damit einen Bärendienst: Sie sind alle verfault.
durch die Blume sagen
Etwas indirekt sagen, hübsch verpackt.
Sie sagte es durch die Blume, aber die Botschaft kam an: Der Vortrag war zu lang.
auf die lange Bank schieben
Etwas immer wieder verschieben, hinauszögern.
Jahrelang hatte sie den Töpferkurs auf die lange Bank geschoben. Jetzt dreht sie drei Tassen pro Woche.
ins Bockshorn jagen
Jemanden einschüchtern und verunsichern.
Der Honigdachs lässt sich nicht einmal von einem Löwen ins Bockshorn jagen.
mit offenen Karten spielen
Seine Absichten und Pläne ehrlich zeigen, nichts verheimlichen.
Schon beim ersten Date spielte sie mit offenen Karten: Im Herbst zieht sie nach Lissabon.
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Wortschatz und Redewendungen üben
Lesen allein reicht nicht. Ein Wort wird erst dann zu einem eigenen, wenn man es im Zusammenhang lernt, selbst benutzt und nach ein paar Tagen wiederholt. Wie das im Alltag geht, steht im Ratgeber Wortschatz erweitern. Wo du gerade stehst, zeigt der Wortschatz-Test mit zehn Fragen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Wortschatz und Redewendungen?
Zum Wortschatz gehören alle Wörter, die man kennt und benutzt. Redewendungen sind feste Wendungen aus mehreren Wörtern mit einer übertragenen Bedeutung, etwa „den Bock zum Gärtner machen“. Beide zusammen bestimmen, wie genau und anschaulich man sich ausdrückt.
Wie kann ich meinen Wortschatz erweitern?
Neue Wörter im Zusammenhang lernen, sie selbst in eigenen Sätzen benutzen und nach einigen Tagen wiederholen. Lesen hilft, macht ein Wort aber erst dann zu einem eigenen, wenn man es auch benutzt.
Wie lernt man Redewendungen am besten?
Mit ihrer Bedeutung, einem Beispielsatz und der Herkunft. Die Geschichte hinter einer Redewendung hilft, sie zu behalten und richtig einzusetzen.
Gibt es eine App für Wortschatz und Redewendungen?
Ja, gutgesagt ist eine iPhone-App für die eigene Muttersprache. Man übt jeden Tag ein paar Minuten mit neuen Wörtern und Redewendungen, mit Beispielen und eigenen Sätzen.
