Wörter, die intelligent klingen: 24 Begriffe mit Bedeutung
Ein Fremdwort klingt nur klug, wenn es an der richtigen Stelle steht. Falsch eingesetzt, wirkt es schnell angeberisch. Hier stehen Begriffe, die oft in Zeitung und Meeting fallen, mit ihrer genauen Bedeutung und einem Beispiel.
die Ambivalenz
Das Nebeneinander gegensätzlicher Gefühle für dieselbe Sache, etwa Freude und Angst zugleich.
Mit leiser Ambivalenz liest sie ihr Horoskop: Sie hält nichts von Sternzeichen und freut sich trotzdem, wenn Waage gut wegkommt.
Herkunft: Gebildet aus lateinisch ambo, ‚beide‘, und valere, ‚gelten‘.
die Ambiguität
Mehrdeutigkeit: Etwas lässt sich auf zwei oder mehr Arten verstehen.
Die Ambiguität ihres Lächelns macht die Mona Lisa berühmt: freundlich oder spöttisch?
die Diskrepanz
Ein auffälliger Unterschied oder Widerspruch zwischen zwei Dingen.
Zwischen Dating-Profil und Wirklichkeit lag eine Diskrepanz von gut zehn Zentimetern.
die Dichotomie
Eine strenge Zweiteilung in zwei Gruppen, die sich gegenseitig ausschließen.
Hundemensch oder Katzenmensch: An dieser Dichotomie scheiden sich ganze Freundeskreise.
Herkunft: Griechisch dichotomia, ‚Zweiteilung‘, aus dicha, ‚entzwei‘, und temnein, ‚schneiden‘.
die Quintessenz
Das Wesentliche einer Sache, auf das sich alles Übrige zurückführen lässt.
Die Quintessenz des Elternabends: Die Kinder brauchen mehr Schlaf und weniger Hausaufgaben.
Herkunft: Von mittellateinisch quinta essentia, „das fünfte Wesen“.
das Paradigma
Ein grundlegendes Denkmuster, das bestimmt, wie man etwas sieht und erklärt.
Mit Darwin wechselte das Paradigma: Arten galten nicht länger als unveränderlich.
Herkunft: Griechisch paradeigma, ‚Beispiel, Muster‘.
der Habitus
Gesamtes Auftreten und Verhalten eines Menschen, das Herkunft und Haltung verrät.
Mit seinem Habitus eines Landadligen fiel er im Hörsaal sofort auf.
Herkunft: Von lateinisch „habitus“, Haltung, Erscheinung, zu „habere“, haben, halten.
der Nimbus
Der besondere Glanz aus Ansehen und Unantastbarkeit, der eine Person oder Sache umgibt.
Der Nimbus des Wunderkochs bröckelte, als herauskam, dass die Soßen vom Großmarkt kamen.
Herkunft: In der christlichen Kunst der Lichtschein um das Haupt von Heiligen.
die Hybris
Selbstüberschätzung, die den eigenen Sturz vorbereitet.
Als ein Sturm seine Brücke zerriss, ließ Perserkönig Xerxes dem Meer dreihundert Peitschenhiebe verpassen: Hybris in Reinform.
Herkunft: Griechisch hýbris, ‚Übermut, Frevel‘.
der Kairos
Der günstige Augenblick, den man beim Schopf packen muss, weil er nicht wiederkommt.
Sie lachte, die Band machte Pause. Er erkannte den Kairos und fragte nach ihrer Nummer.
Herkunft: Griechisch kairós, der rechte Zeitpunkt.
das Diktum
Ein knapper, gewichtiger Ausspruch, der wie ein Urteil gilt. Gehoben.
Das Diktum der Großmutter galt in der ganzen Familie: Am Sonntag wird nicht über Geld gesprochen.
Herkunft: Lateinisch dictum, ‚das Gesagte‘, von dicere, ‚sagen‘.
sui generis
Von ganz eigener Art, unvergleichlich.
Das Schnabeltier ist ein Wesen sui generis: Es legt Eier, säugt seine Jungen und trägt einen Entenschnabel.
Herkunft: Lateinisch, ‚seiner eigenen Gattung‘, von genus, ‚Art, Geschlecht‘.
inhärent
Einer Sache von Natur aus innewohnend und untrennbar mit ihr verbunden.
Jeder Gründung ist ein gewisses Risiko inhärent.
Herkunft: Von lateinisch „inhaerere“, an etwas haften.
kontingent
Kann so sein, hätte aber genauso gut anders kommen können, etwa durch Zufall.
Dass wir uns trafen, war kontingent: ein verpasster Zug, ein freier Stuhl.
Herkunft: Lateinisch contingens, ‚zufällig, möglich‘, zu contingere, ‚berühren, zuteilwerden‘.
implizit
Unausgesprochen mitgemeint. Das Gegenteil ist explizit.
„Du hast heute ja Zeit“ enthielt implizit die Bitte, das Abendessen zu kochen.
explizit
Ausdrücklich, klar ausgesprochen. Das Gegenteil ist implizit.
Auf der Einladung stand explizit: bitte keine Geschenke.
evident
So offensichtlich, dass man es nicht erst beweisen muss.
Dass die Erde rund ist, war schon den alten Griechen evident: Bei einer Mondfinsternis wirft sie einen runden Schatten.
marginal
So gering, dass es im Ganzen kaum ins Gewicht fällt.
Der Unterschied zwischen dem Rotwein für neunzehn Euro und dem für sechs war marginal, behauptete jedenfalls Henrik nach dem dritten Glas.
opportun
Im Moment günstig und passend, weil es einem gerade nützt. Bildungssprachlich.
Mitten im Streit über den Abwasch schien es ihm nicht opportun, nach dem Auto zu fragen.
eruieren
Etwas durch gründliches Nachforschen herausfinden.
Der Förster eruierte mit einer Wildkamera, wer nachts die Rinde abnagte: ein Biber.
konterkarieren
Etwas durchkreuzen, so dass das eigentliche Ziel verfehlt wird. Bildungssprachlich.
Seine gesunden Vorsätze konterkarierte er jeden Abend mit einer Tafel Schokolade.
prononciert
Deutlich ausgeprägt und mit Nachdruck vertreten.
Sie vertrat in der Sitzung eine prononcierte Gegenposition und ließ sich nicht beirren.
Herkunft: Französisch prononcé, ‚ausgesprochen‘.
die Koryphäe
Ein herausragender Fachmann oder Autorität in seinem Gebiet.
In ‚Star Wars‘ haust die größte Koryphäe der Jedi in einer Lehmhütte im Sumpf: Meister Yoda, klein, grün und rund neunhundert Jahre alt.
die Usance
Was in einer Branche üblich ist und stillschweigend gilt: ein Handelsbrauch.
Usance dieser Weinbar: Der erste Schluck geht aufs Haus.
Herkunft: Aus französisch usance, Brauch, zu user, gebrauchen, letztlich von lateinisch usus, Gebrauch.
