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Wörter aus der Antike: 30 Begriffe aus Rom und Griechenland

Mäzen, Krösus, Pyrrhussieg: Ein guter Teil unseres gehobenen Wortschatzes stammt aus Rom und Griechenland. Hier stehen Wörter, deren Herkunft man kennen sollte, weil sie erklärt, was sie heute bedeuten.

das Alter Ego

Eine Person oder Rolle, die wie ein zweites Ich wirkt, etwa ein sehr vertrauter Mensch oder eine Figur, in der jemand eine andere Seite von sich auslebt.

Auf der Bühne wird der schüchterne Paul zu seinem Alter Ego, dem lauten Zauberer „Paolo“.

Herkunft: Lateinisch, ‚das andere Ich‘.

das Bacchanal

Ausschweifendes Trinkgelage, bei dem bis zur Erschöpfung gefeiert wird.

Die Hochzeit meines Cousins geriet zum Bacchanal, um vier tanzte die Trauzeugin barfuß auf der Bierbank.

Herkunft: Benannt nach Bacchus, dem römischen Gott des Weines, zu dessen Ehren ausgelassene Feste gefeiert wurden.

der Caesarenwahn

Die maßlose Selbstüberschätzung eines Machthabers, der sich für unantastbar und allmächtig hält.

Seit er Abteilungsleiter ist, zeigt Bruno Anzeichen von Caesarenwahn: Er lässt sich nur noch siezen.

Herkunft: Nach römischen Kaisern wie Caligula und Nero, deren Machtfülle in Größenwahn umschlug.

die Damnatio memoriae

Die offizielle Tilgung eines Menschen aus dem Gedächtnis: Name und Bild werden überall entfernt.

Nach der Trennung folgte die Damnatio memoriae: Fotos gelöscht, Playlist umbenannt, sein Name tabu.

Herkunft: Lateinisch, Verdammung des Andenkens.

delphisch

So doppeldeutig formuliert, dass man es in jede Richtung auslegen kann.

Auf die Frage nach der Gehaltserhöhung antwortete die Chefin delphisch: „Wir werden sehen, was das Jahr bringt.“

Herkunft: Nach dem Orakel von Delphi, dessen Sprüche berüchtigt vieldeutig waren.

dezimieren

Eine Gruppe oder einen Bestand drastisch verkleinern.

Die Grippewelle hat unseren Chor so dezimiert, dass beim Konzert nur noch zwei Tenöre sangen.

Herkunft: Von lateinisch decimare, „jeden Zehnten auswählen“.

die Diadochenkämpfe

Erbitterte Rivalität um die Macht zwischen den möglichen Nachfolgern einer dominanten Führungsfigur.

Kaum hatte der Gründer seinen Rückzug angekündigt, begannen in der Firma die Diadochenkämpfe.

Herkunft: Nach den Diadochen, griechisch für Nachfolger: Nach dem Tod Alexanders des Großen 323 v.

die Fortüne

Glück und Erfolg bei einem Vorhaben, besonders in Beruf und Politik.

Der neue Trainer hatte wenig Fortüne: drei Spiele, drei Niederlagen.

Herkunft: Aus dem Französischen fortune, Glück, Schicksal, von lateinisch fortuna.

die Furie

Vor Wut rasende Person, meist abwertend über Frauen gesagt. Nach den Rachegöttinnen der römischen Sage.

Wie eine Furie ging die Katzenmutter auf den Hund los, der ihren Jungen zu nahe kam.

Herkunft: Lateinisch furia, ‚Raserei‘, zu furere, ‚rasen, wüten‘, wovon auch Furor und furios stammen.

der Genius loci

Die besondere Atmosphäre, die ein Ort ausstrahlt und die ihn unverwechselbar macht.

Das alte Kino hat einen Genius loci, den kein Großkino je haben wird.

Herkunft: In der römischen Religion war der genius loci der Schutzgeist eines bestimmten Ortes, oft als Schlange dargestellt.

die Gravitas

Würdevoller Ernst: ruhige Gewichtigkeit im Auftreten, die einem Menschen Ansehen und Autorität verleiht.

Selbst in Flipflops hat sie Gravitas.

Herkunft: Lateinisch gravitas, Schwere, Gewicht, zu gravis, schwer.

der Herostrat

Jemand, der um jeden Preis berühmt werden will und dafür auch Zerstörung in Kauf nimmt.

Der Mann, der das Denkmal beschmierte, um ins Fernsehen zu kommen, war ein moderner Herostrat.

Herkunft: Nach Herostratos, der 356 v.

der horror vacui

Die Scheu vor der Leere: der Drang, jede freie Fläche oder Pause zu füllen.

Ihr Kalender verriet einen horror vacui: Selbst der Sonntag war in Halbstunden verplant.

Herkunft: Lateinisch.

janusköpfig

Mit zwei gegensätzlichen Seiten, die beide zugleich zutreffen; zwiespältig.

Der Tourismus ist für Venedig janusköpfig: Er füllt die Kassen und leert die Altstadt.

Herkunft: Nach Janus, dem römischen Gott der Tore und Anfänge, der mit zwei Gesichtern dargestellt wurde: eines blickt nach vorn, eines zurück.

der Krösus

Sprichwörtlich reicher Mensch.

Ich bin doch kein Krösus, sagte er beim Blick auf die Rechnung.

Herkunft: Nach Kroisos, König von Lydien im 6.

der Kunktator

Jemand, der Entscheidungen bedächtig hinauszögert und auf den rechten Moment wartet.

Der Kunktator im Vorstand wartet ab, bis sich alle Probleme von selbst erledigt haben.

Herkunft: Beiname des römischen Feldherrn Quintus Fabius Maximus, der Hannibal durch Hinhalten statt offener Schlacht zermürbte.

der Mäzen

Großzügiger privater Förderer von Kunst und Wissenschaft.

Der Römer Maecenas förderte Dichter wie Vergil und Horaz und wurde so zum Urbild jedes Mäzens.

Herkunft: Nach Gaius Maecenas, einem Vertrauten des Kaisers Augustus, der Dichter wie Horaz und Vergil förderte.

das Otium

Freie, erfüllte Muße, die man für Denken, Lesen und Genuss nutzt.

Nach sechs Nachtdiensten auf Station nimmt sich Judith einen Tag Otium: Garten, ein dickes Buch, kein Wecker.

Herkunft: Lateinisch otium, Muße; die Römer stellten es dem negotium gegenüber, der Geschäftigkeit, wörtlich der Nicht-Muße.

der Patrizier

Ein vornehmer, wohlhabender Bürger aus alter Familie; ursprünglich der Adel im alten Rom.

In Nürnberg regierten jahrhundertelang einige alte, reiche Familien die Stadt: die Patrizier.

Herkunft: Von lateinisch patricius, zu patres, Väter: So hießen die Senatoren, deren Familien Roms alten Adel bildeten.

die Phalanx

Eine geschlossene Front von Menschen oder Interessen, gegen die kaum anzukommen ist.

Gegen die Phalanx der Eltern hatte der Vorschlag, die Klassenfahrt zu streichen, keine Chance.

Herkunft: Aus griechisch phálanx, ursprünglich Baumstamm.

plebejisch

Abwertend: gewöhnlich, ungehobelt, ohne Kultur; ursprünglich zum einfachen Volk im alten Rom gehörend.

Nach dem Galadinner gönnten wir uns ein plebejisches Vergnügen: Pommes rot-weiß am Imbiss.

Herkunft: Von lateinisch plebs, das einfache Volk.

der Primus inter pares

Der Erste unter Gleichrangigen: Er steht vorn und leitet, hat aber kaum mehr zu sagen als die anderen.

Der Schweizer Bundespräsident ist Primus inter pares: Er leitet ein Jahr lang den Bundesrat, hat aber kaum mehr Macht als die sechs anderen.

Herkunft: Lateinisch, wörtlich „Erster unter Gleichen“.

der Prätorianer

Ein treu ergebener Gefolgsmann, der einen Mächtigen abschirmt; ursprünglich Leibgardist der römischen Kaiser.

Die Prätorianer waren die Leibwache der römischen Kaiser, und im Jahr 193 versteigerten sie sogar den Thron an den Meistbietenden.

Herkunft: Die Prätorianergarde war die Leibwache der römischen Kaiser, unter Augustus fest eingerichtet.

der Pyrrhussieg

Ein Sieg, der so teuer erkauft ist, dass er dem Sieger am Ende mehr schadet als nützt.

Er schlug ihre Dame und jubelte. Ein Pyrrhussieg: Drei Züge später war er matt.

Herkunft: Nach König Pyrrhos von Epirus, der 279 v.

sakrosankt

Unantastbar, jeder Kritik entzogen.

Bei uns ist der Sonntagsbraten sakrosankt, da wird auch bei dreißig Grad gekocht.

Herkunft: Lateinisch sacrosanctus ‚durch Weihe unverletzlich‘.

sine ira et studio

Ohne Zorn und ohne Vorliebe: sachlich und unparteiisch urteilen oder berichten.

Sine ira et studio verglich sie beide Dönerläden: Punkte für Brot, Soße und Wartezeit.

Herkunft: Der römische Historiker Tacitus verspricht am Anfang seiner Annalen, die Zeit der frühen Kaiser sine ira et studio zu schildern, ohne Zorn und Eifer, weil ihm die Gründe für beides fernlägen.

spartanisch

Bewusst karg und auf das Nötigste beschränkt.

Die Berghütte war spartanisch: Pritsche, Wolldecke, ein Ofen.

Herkunft: Nach Sparta, dessen Bürger schon in der Antike für harte Erziehung und karges Leben bekannt waren.

der Spiritus Rector

Der führende Kopf, der eine Sache antreibt und ihr die Richtung gibt.

Offiziell plante die ganze WG das Hoffest, Spiritus Rector war aber Lea mit ihrer Liste.

Herkunft: Lateinisch, wörtlich ‚lenkender Geist‘, aus spiritus, Hauch, Geist, und rector, Lenker, Leiter.

der Sybarit

Ein Genussmensch, der Luxus und Bequemlichkeit über alles liebt und dabei recht verwöhnt ist.

Antike Autoren erzählen von einem Sybariten, der nicht schlafen konnte, weil die Rosenblätter in seinem Bett geknickt waren.

Herkunft: Nach Sybaris, einer griechischen Stadt in Süditalien, deren Bewohner schon in der Antike für ihren Luxus sprichwörtlich waren.

der Volkstribun

Ein volksnaher Wortführer, der sich lautstark für die kleinen Leute einsetzt; im alten Rom ihr gewählter Schutzherr.

Im alten Rom schützten die Volkstribunen das einfache Volk: Mit „veto“, ich verbiete, stoppten sie Beschlüsse der Mächtigen.

Herkunft: Im alten Rom wählten die Plebejer seit dem frühen 5.