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Schöne alte Wörter: 23 vergessene Wörter, die zurückkommen sollten

Manche Wörter klingen nach Großeltern und Kaffeetafel, sagen aber Dinge, für die es heute kein besseres gibt. Fisimatenten macht man nicht einfach, man treibt sie. Hier stehen alte Wörter, die sich lohnen, mit Bedeutung und Beispiel.

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Für Unsinn und Durcheinander

die Fisimatenten

Umständliche Ausflüchte und Faxen.

Mach keine Fisimatenten, der Schlafanzug kommt jetzt an!

der Kokolores

Unsinn, aufgeblasenes Gerede.

Klingt nach Kokolores, ist aber Technikgeschichte: „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“ schickte Philipp Reis durch sein Telefon.

der Mumpitz

Umgangssprachlich: Unsinn, dummes Zeug.

Heute kein guter Tag zum Backen, sagt das Horoskop? Mumpitz.

die Sperenzchen

Unnötige Umstände oder Zicken, mit denen jemand etwas aufhält. Umgangssprachlich.

Der Drucker macht wieder Sperenzchen, heute will er erst neu gestartet werden.

der Schabernack

Harmloser, lustiger Streich.

In den alten Schwänken treibt Till Eulenspiegel seinen Schabernack mit Bäckern, Wirten und Gelehrten.

das Tohuwabohu

Vollkommenes Durcheinander. Aus dem Hebräischen der Bibel, wo es „wüst und leer“ bedeutet.

Nach dem Kindergeburtstag herrschte im Wohnzimmer ein Tohuwabohu aus Luftschlangen und Kuchenkrümeln.

Herkunft: 1.

der Schlamassel

Verfahrene, ärgerliche Lage.

Jetzt sitzen wir im Schlamassel: Der letzte Zug ist weg, und das Hotel hat unsere Buchung verloren.

die Bredouille

Eine verzwickte, unangenehme Lage, aus der man nicht so leicht herauskommt. Leicht scherzhaft.

Zwei Zusagen für denselben Abend, und schon steckte er in der Bredouille.

Für Menschen

der Taugenichts

Jemand, der nichts Rechtes zustande bringt, oft mit liebevollem Unterton.

Eichendorffs Taugenichts zieht mit seiner Geige in die Welt hinaus, statt in der Mühle seines Vaters zu helfen.

Herkunft: Ein Satzwort aus ‚taugt nichts‘, gebildet wie Habenichts.

der Dünkel

Hochmut und Einbildung: Man hält sich wegen Herkunft, Bildung oder Stellung für etwas Besseres.

In Fontanes ‚Frau Jenny Treibel‘ schwärmt die reiche Kommerzienrätin von Poesie, doch eine arme Schwiegertochter lässt ihr Dünkel nicht zu.

Herkunft: Abgeleitet von dünken „scheinen, meinen“, wie in „mich dünkt“: Dünkel ist, was man sich über sich selbst einbildet.

garstig

Böse und unfreundlich, mit altmodischem Charme.

Draußen garstiges Novemberwetter, drinnen Tee.

wacker

Tüchtig und tapfer. Altmodisch, aber charmant.

Mit ihrem Schulfranzösisch schlug sie sich in Paris wacker.

saumselig

Gehoben: langsam und nachlässig, man lässt sich viel zu viel Zeit.

Der saumselige Handwerker kam nach drei Wochen, um sich den tropfenden Hahn anzusehen.

Herkunft: Mit Glück hat das selig darin nichts zu tun: saumselig gehört zu mittelhochdeutsch sūmesal, ‚Säumnis‘, zu säumen, ‚zögern‘.

Für Liebe und Vergnügen

das Techtelmechtel

Heimliche, halbernste Liebelei.

Das Techtelmechtel zwischen Bademeister und Eisverkäuferin war das Gesprächsthema des Sommers.

das Stelldichein

Altmodisch für eine Verabredung zu zweit.

In ‚Notting Hill‘ klettern William und Anna nachts über einen Zaun in einen fremden Privatgarten: ein heimliches Stelldichein mitten in London.

die Schmonzette

Seichtes, rührseliges Werk ohne großen künstlerischen Anspruch, meist ein Film, Roman oder Theaterstück.

Am Sonntagabend lief wieder eine Schmonzette mit Schloss, Erbin und Pferdezucht.

Herkunft: Abgeleitet von Schmonzes, jiddisch für albernes Gerede.

lustwandeln

Vergnügt spazieren (scherzhaft-altertümlich).

Nach dem Sonntagsbraten lustwandelten wir durch den Schlossgarten und grüßten die Schwäne.

Herkunft: Im 17.

frohlocken

Laut und triumphierend jubeln.

Die Kinder frohlockten, als der erste Schnee auf den Schulhof fiel.

die Sommerfrische

Altmodisch für Sommerurlaub auf dem Land oder in den Bergen.

In ‚Dirty Dancing‘ verbringt Baby mit ihrer Familie die Sommerfrische in einem Ferienhotel in den Bergen, wo abends zum Tanz aufgespielt wird.

Für Dinge und Zeit

die Habseligkeiten

Die wenigen persönlichen Dinge, die jemand besitzt.

Seine Habseligkeiten passten in einen Rucksack: zwei Hemden, ein Buch, eine Mundharmonika.

der Tand

Wertloses, hübsch glitzerndes Zeug.

In Fontanes Ballade ‚Die Brück’ am Tay‘ verspotten drei Hexen die stolze Eisenbrücke als bloßen Tand von Menschenhand.

Herkunft: Mittelhochdeutsch tant meinte ‚leeres Geschwätz, Possen‘.

alsbald

Bald, in Kürze. Gehobene Variante von bald.

Man werde sich alsbald melden, hieß es, das war im März.

einst

Früher, in ferner Vergangenheit. Auch feierlich für die Zukunft: einst wird kommen der Tag.

Einst stand hier der Güterbahnhof, heute wachsen Tomaten auf dem Gleisbett.

Häufige Fragen

Woher kommt das Wort Fisimatenten?

Das ist nicht sicher geklärt. Die beliebte Erklärung mit französischen Soldaten, die Mädchen zu einem Besuch im Zelt einluden, gilt als Legende. Sicher ist nur die Bedeutung: Ausflüchte und unnötige Umstände.

Was ist ein Techtelmechtel?

Eine Liebelei oder heimliche Affäre, meist nicht ganz ernst gemeint.

Warum verschwinden alte Wörter?

Weil Dinge, Lebensweisen oder Moden verschwinden, für die sie gebraucht wurden, oder weil ein neueres Wort sie verdrängt. Viele alte Wörter treffen aber noch heute etwas, wofür es kein gleich gutes neues gibt.