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Wissenschaftliche Begriffe im Alltag: 30 Wörter einfach erklärt

Evidenz, Signifikanz, Halbwertszeit: Begriffe aus der Wissenschaft sind längst in der Alltagssprache angekommen, oft ungenau. Hier steht, was sie wirklich bedeuten.

das Epiphänomen

Begleiterscheinung, die bei einem Vorgang mit entsteht, selbst aber nichts bewirkt.

Das Knistern der Schallplatte ist ein Epiphänomen: Zur Musik trägt es nichts bei.

Herkunft: Aus griechisch epi, dazu, darauf, und phainomenon, das Erscheinende.

der Ereignishorizont

Die Grenze, hinter der es kein Zurück mehr gibt und von der nichts mehr nach außen dringt.

Mit der Kündigung des Mietvertrags hatten sie den Ereignishorizont überschritten.

Herkunft: Aus der Astrophysik: So heißt die Grenze um ein Schwarzes Loch, hinter der nicht einmal Licht wieder entkommen kann.

die Evidenz

Belege, die zeigen, dass etwas stimmt, etwa aus Studien oder Messungen. Philosophisch auch die unmittelbare Einsichtigkeit einer Sache.

Für die Behauptung, der Kater könne Türen öffnen, fehlte jede Evidenz, bis die Kamera ihn filmte.

Herkunft: Von lateinisch evidentia, ‚Augenscheinlichkeit‘, zu videre, ‚sehen‘.

die Fata Morgana

Eine verlockende Vorstellung, die sich bei näherem Hinsehen als Täuschung erweist.

Die günstige Altbauwohnung mit Balkon entpuppte sich als Fata Morgana.

Herkunft: Italienisch für Fee Morgana: Man schrieb die Luftspiegelungen in der Straße von Messina der Zauberin Morgana aus der Artussage zu.

die Halbwertszeit

Übertragen: wie lange etwas gilt oder aktuell bleibt, bevor es deutlich an Wert oder Bedeutung verliert.

Die Halbwertszeit von Modewörtern ist kurz: Wer sagt heute noch „knorke“?

Herkunft: Aus der Kernphysik des frühen 20.

das Hapax legomenon

Ein Wort, das in einem Text oder einer ganzen Sprache nur ein einziges Mal belegt ist.

„Schnurzelig“ schrieb sie genau einmal im Chat und nie wieder. Er nannte es ihr Hapax legomenon.

Herkunft: Griechisch hapax legomenon, einmal Gesagtes.

das Himmelsgewölbe

Der als Wölbung wahrgenommene, sichtbare Himmel.

Am Ende des ‚Kleinen Prinzen‘ sucht der Erzähler das Himmelsgewölbe nach dem winzigen Stern seines Freundes ab.

Herkunft: Das Wort bewahrt ein altes Weltbild: Man dachte sich den Himmel als feste Kuppel über der Erde.

infinitesimal

So winzig, dass es gegen null geht und praktisch nicht mehr ins Gewicht fällt.

Die Gehaltserhöhung fiel so infinitesimal aus, dass sie auf dem Kontoauszug kaum auffiel.

Herkunft: Zu neulateinisch infinitesimus, gebildet aus infinitus, „unendlich“.

der Katalysator

Substanz oder Person, die einen Prozess beschleunigt oder ermöglicht.

Der gemeinsame Hund war der Katalysator: Beim Gassigehen kamen die beiden Nachbarn endlich ins Gespräch.

Herkunft: Von griechisch katálysis, ‚Auflösung‘.

die Kohorte

Gruppe mit gemeinsamem Startpunkt, etwa ein Geburtsjahrgang, die über die Zeit hinweg beobachtet wird.

Eine Harvard-Studie begleitet seit 1938 eine Kohorte junger Männer durch ihr ganzes Leben.

Herkunft: Lateinisch cohors war ursprünglich ein umzäunter Hof, dann eine Truppeneinheit, der zehnte Teil einer römischen Legion.

korrelieren

Miteinander zusammenhängen, so dass sich zwei Größen gemeinsam verändern.

Laut ihrer Strichliste korrelieren Regentage und Kuchenbestellungen im Café ziemlich genau.

Herkunft: Das Verb gehört zu lateinisch relatio, ‚Bericht, Beziehung‘, von referre, ‚zurücktragen‘.

der Lackmustest

Eine entscheidende Probe, die rasch und eindeutig zeigt, wie es um etwas wirklich steht.

Die erste gemeinsame Renovierung war der Lackmustest für unsere WG.

Herkunft: Aus der Chemie: Lackmus ist ein Farbstoff aus Flechten, der anzeigt, ob eine Lösung sauer oder basisch ist.

das Machtvakuum

Ein Zustand, in dem niemand die Führung innehat und verschiedene Kräfte um die leere Stelle ringen.

Nach dem Rücktritt des Vorsitzenden entstand in der Partei ein gefährliches Machtvakuum.

Herkunft: Lateinisch vacuum ‚das Leere‘.

die Nomenklatur

Festgelegtes System von Fachbezeichnungen.

Seit Carl von Linné trägt jede Tierart in der biologischen Nomenklatur einen zweiteiligen Namen, der Wolf etwa heißt Canis lupus.

Herkunft: Von lateinisch nomenclatura, ‚Namensverzeichnis‘.

quantifizieren

In Zahlen messbar machen.

Wie viel Glück ein Hund ins Haus bringt, lässt sich kaum quantifizieren.

Herkunft: Aus mittellateinisch quantificare, zu quantus, ‚wie groß‘, und facere, ‚machen‘.

die Quintessenz

Das Wesentliche einer Sache, auf das sich alles Übrige zurückführen lässt.

Die Quintessenz des Elternabends: Die Kinder brauchen mehr Schlaf und weniger Hausaufgaben.

Herkunft: Von mittellateinisch quinta essentia, „das fünfte Wesen“.

rekursiv

Auf sich selbst zurückgreifend: Etwas wiederholt sich in sich selbst, etwa in Mathematik oder Programmierung.

Die Matrjoschka ist rekursiv gebaut: In jeder Puppe steckt wieder eine kleinere.

Herkunft: Von lateinisch recurrere, ‚zurücklaufen‘.

rezipieren

Ein Werk oder eine Idee aufnehmen, also lesen, hören, ansehen und verarbeiten.

Das Album wurde in Japan ganz anders rezipiert als in Deutschland.

Herkunft: Von lateinisch „recipere“, aufnehmen.

die Serendipität

Die Gabe, zufällig etwas Wertvolles zu entdecken, nach dem man gar nicht gesucht hat.

Falsch abgebogen und die beste Tapasbar Sevillas gefunden: reine Serendipität.

Herkunft: Vom englischen serendipity, das der Schriftsteller Horace Walpole 1754 prägte.

der Siedepunkt

Der Moment, in dem Wut oder Spannung überkocht; eigentlich die Temperatur, bei der eine Flüssigkeit kocht.

Nach der dritten Runde Brettspiel erreichte die Stimmung am Tisch den Siedepunkt.

Herkunft: Aus der Physik: Am Siedepunkt beginnt eine Flüssigkeit zu kochen, Wasser auf Meereshöhe bei 100 Grad.

die Signifikanz

Bedeutsamkeit. In der Statistik: Ein Ergebnis ist so deutlich, dass es kaum Zufall sein kann.

Drei Testpersonen, zwei Erfolge: Für Signifikanz reicht das nicht.

Herkunft: Von lateinisch significare, ‚ein Zeichen geben‘, aus signum und facere.

die Symbiose

Enges Zusammenleben zum beiderseitigen Nutzen.

Clownfisch und Seeanemone leben in Symbiose: Der Fisch wohnt geschützt zwischen den Tentakeln und vertreibt dafür ihre Fressfeinde.

Herkunft: Griechisch symbiosis, ‚Zusammenleben‘.

die Taxonomie

Systematische Ordnung von Dingen in Klassen.

Carl von Linné begründete die moderne Taxonomie, nach der Tiere und Pflanzen bis heute einen zweiteiligen lateinischen Namen tragen.

Herkunft: Aus griechisch táxis, ‚Anordnung‘, und nómos, ‚Gesetz‘.

der Trabant

Ständiger Begleiter, der sich um eine wichtigere Person dreht und von ihr abhängt. Gehoben, oft spöttisch.

Wo immer der Starkoch auftauchte, folgten ihm drei Trabanten mit Messerkoffer und Kamera.

Herkunft: Im 15.

die Trennschärfe

Fähigkeit eines Tests oder einer Methode, unterschiedliche Dinge klar voneinander zu unterscheiden.

Dem Rauchmelder fehlte jede Trennschärfe: Er heulte beim Toasten genauso wie bei echtem Feuer.

Herkunft: In der Funktechnik heißt so die Fähigkeit eines Radioempfängers, eng benachbarte Sender sauber auseinanderzuhalten.

der Turing-Test

Ein Test, ob eine Maschine im Gespräch so menschlich wirkt, dass man sie nicht von einem Menschen unterscheiden kann.

Jedes Captcha ist ein umgedrehter Turing-Test: Hier muss der Mensch beweisen, dass er keine Maschine ist.

Herkunft: Benannt nach dem britischen Mathematiker Alan Turing.

die Unschärferelation

Der Umstand, dass sich bestimmte Dinge nie gleichzeitig ganz genau erfassen lassen.

Bei meinem Bruder gilt eine Art Unschärferelation: Entweder weiß man, wo er ist, oder wann er ankommt.

Herkunft: Von dem Physiker Werner Heisenberg 1927 formuliert: Ort und Impuls eines Teilchens lassen sich nicht zugleich beliebig genau bestimmen.

der Urknall

Der Beginn des Universums. Übertragen auch der Anfangsmoment, mit dem etwas Großes seinen Ausgang nimmt.

Das erste Konzert im Jugendzentrum war der Urknall der ganzen Szene.

Herkunft: Aus der Kosmologie: So nennt man den Beginn des Universums vor rund 13,8 Milliarden Jahren.

das Versuchskaninchen

Jemand, an dem etwas Neues als Erstes ausprobiert wird.

Für mein erstes Sushi-Experiment brauche ich noch zwei Versuchskaninchen.

Herkunft: Kaninchen geht über altfranzösisch conin auf lateinisch cuniculus zurück.

der Zenit

Der Höhepunkt. Wörtlich: der Punkt am Himmel genau über einem.

Am Äquator steht die Sonne zur Tagundnachtgleiche mittags im Zenit, und Laternen werfen kaum Schatten.

Herkunft: Aus arabisch samt ar-ra's ‚Richtung des Kopfes‘.