Redewendungen für Beruf und Büro: 27 Wendungen mit Bedeutung
Im Meeting, in der Mail, im Gespräch mit der Chefin: Eine passende Redewendung sagt oft knapper und höflicher, was man meint. Diese hier hört man im Berufsleben ständig.
Wenn es um Offenheit geht
mit offenen Karten spielen
Seine Absichten und Pläne ehrlich zeigen, nichts verheimlichen.
Schon beim ersten Date spielte sie mit offenen Karten: Im Herbst zieht sie nach Lissabon.
Herkunft: Aus dem Kartenspiel: Wer seine Karten offen auf den Tisch legt, zeigt jedem, was er hat.
kein Blatt vor den Mund nehmen
Offen und direkt sprechen, ohne Rücksicht auf Bedenken.
Die Friseurin nahm kein Blatt vor den Mund: „Dieser Pony war ein Fehler.“
durch die Blume sagen
Etwas indirekt sagen, hübsch verpackt.
Sie sagte es durch die Blume, aber die Botschaft kam an: Der Vortrag war zu lang.
Herkunft: Im Mittelalter konnte man mit Blumen Botschaften übermitteln, eine „Blumensprache“.
Wenn es um Entscheidungen geht
die Gelegenheit beim Schopf packen
Eine Gelegenheit entschlossen ergreifen, bevor sie weg ist.
Ein Kleber hielt kaum, doch ein Kollege packte die Gelegenheit beim Schopf: So entstand das Post-it.
Herkunft: Die Griechen stellten Kairos, den günstigen Augenblick, mit einer Haarlocke an der Stirn und kahlem Hinterkopf dar.
den Stier bei den Hörnern packen
Ein Problem direkt und mutig angehen.
Nach drei Wochen Hin und Her packte sie den Stier bei den Hörnern und fragte: Was sind wir eigentlich?
Herkunft: Wer einen Stier bändigen will, packt ihn an seiner gefährlichsten Stelle, den Hörnern, und stellt sich ihm direkt.
Nägel mit Köpfen machen
Etwas gründlich und endgültig erledigen, keine halben Sachen.
Nach acht Jahren Beziehung machten sie Nägel mit Köpfen und buchten das Standesamt.
Herkunft: Ein Nagel ohne Kopf hält nicht, das Brett rutscht darüber weg.
auf die lange Bank schieben
Etwas immer wieder verschieben, hinauszögern.
Jahrelang hatte sie den Töpferkurs auf die lange Bank geschoben. Jetzt dreht sie drei Tassen pro Woche.
den Kopf in den Sand stecken
Ein Problem nicht wahrhaben wollen und einfach wegschauen.
Strauße stecken übrigens nie den Kopf in den Sand, das tun nur Menschen mit ungeöffneten Mahnungen.
Herkunft: Das Bild beruht auf einem alten Irrtum: Schon Plinius der Ältere schrieb, der Strauß glaube sich versteckt, wenn er den Kopf in ein Gebüsch stecke.
das Zünglein an der Waage
Der entscheidende Faktor, der das Gleichgewicht kippt.
Beim Streit ums Urlaubsziel war die kleine Schwester das Zünglein an der Waage: Sie wollte ans Meer.
Herkunft: Das Zünglein ist der kleine Zeiger an der Balkenwaage.
Wenn es um Zusammenarbeit geht
einen Stein im Brett haben
Bei jemandem besonders gut angesehen sein.
Seit dem Umzug, bei dem er bis Mitternacht Kisten schleppte, hat er bei ihr einen Stein im Brett.
Herkunft: Vom Brettspiel (Tricktrack, Puff): Ein gut gesetzter Stein verschafft eine sichere Position.
zwischen Baum und Borke stecken
In einer Zwickmühle stecken, in der jeder Ausweg schlecht ist, oft weil man zwischen zwei Seiten steht.
Beim Streit der Eltern um den Urlaubsort steckte die Tochter zwischen Baum und Borke.
Herkunft: Zwischen dem Holz des Baumes und seiner Rinde ist kaum Platz.
jemandem eine Brücke bauen
Jemandem einen gesichtswahrenden Ausweg anbieten.
Er hatte den Hochzeitstag vergessen, doch sie baute ihm eine Brücke: „Du wolltest sicher am Wochenende feiern, oder?“
Herkunft: Aus der alten Kriegskunst: Dem fliehenden Feind solle man goldene Brücken bauen, ihm also einen Weg zum Rückzug lassen.
Öl auf die Wogen gießen
Eine aufgeheizte Stimmung beruhigen und einen Streit glätten.
Als die Diskussion über das Erbe kippte, goss Tante Gisela mit einem Witz Öl auf die Wogen.
Herkunft: Seeleute gossen bei schwerer See Öl ins Wasser, weil ein Ölfilm die Wellen dämpft.
in die Bresche springen
Kurzfristig für jemanden einspringen.
Als der Organist krank wurde, sprang die Klavierlehrerin in die Bresche.
Herkunft: Eine Bresche (französisch „brèche“) ist eine Lücke, die Belagerer in eine Festungsmauer schlagen.
die Kastanien aus dem Feuer holen
Für jemand anderen eine unangenehme oder riskante Aufgabe erledigen, von der nur der andere profitiert.
Immer holt sie für die WG die Kastanien aus dem Feuer und ruft den Vermieter an.
Herkunft: Aus der Fabel ‚Der Affe und die Katze‘ von Jean de La Fontaine (1679): Der Affe überredet die Katze, geröstete Kastanien aus der Glut zu angeln.
auf einen Nenner kommen
Sich einigen. Meist verneint: auf keinen gemeinsamen Nenner kommen.
Bei der Farbe fürs Wohnzimmer kamen sie auf keinen gemeinsamen Nenner.
Herkunft: Aus der Bruchrechnung: Brüche lassen sich erst zusammenzählen, wenn sie auf einen gemeinsamen Nenner gebracht sind.
Wenn es um Qualität geht
mit heißer Nadel gestrickt sein
Hastig und nicht sorgfältig gemacht sein.
Die Tischordnung war mit heißer Nadel gestrickt: Die beiden Verflossenen saßen nebeneinander.
unter die Lupe nehmen
Etwas genau und kritisch untersuchen.
Antoni van Leeuwenhoek nahm einen Tropfen Teichwasser unter die Lupe und entdeckte darin winzige Lebewesen.
Herkunft: Mit der Lupe betrachten Juweliere, Briefmarkensammler und Detektive, was dem bloßen Auge entgeht.
die Messlatte hoch legen
Hohe Anforderungen stellen.
Mit dem ersten Date im Sternerestaurant hatte er die Messlatte gefährlich hoch gelegt.
Herkunft: Aus der Leichtathletik: Beim Hochsprung und Stabhochsprung liegt eine Latte auf zwei Ständern.
über den Daumen peilen
Grob und ohne Messung schätzen.
Über den Daumen gepeilt passen in den Kofferraum noch zwei Kisten Äpfel.
Herkunft: Man streckt den Arm aus, hält den Daumen hoch und peilt darüber ein Ziel an, um Entfernungen grob zu schätzen.
aus dem Stegreif
Ohne Vorbereitung, spontan und improvisiert.
Sie hielt die Dankesrede aus dem Stegreif, das Manuskript lag zu Hause.
Herkunft: Der Stegreif ist das alte Wort für den Steigbügel.
den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen
Das Wesentliche nicht erkennen, weil man in Details verloren ist.
Sie verglich zwanzig Hotels bis zur Farbe der Handtücher und sah den Wald vor lauter Bäumen nicht: Keins lag am Meer.
Herkunft: Durch Christoph Martin Wieland im 18.
Wenn es nicht läuft
ins Hintertreffen geraten
Hinter die anderen zurückfallen.
Nach Sputnik und Gagarin geriet die Sowjetunion im Wettlauf zum Mond ins Hintertreffen.
Herkunft: Aus der Militärsprache: Das Hintertreffen war die hintere Schlachtreihe, die Reserve.
Sand ins Getriebe bringen
Einen Prozess behindern oder stören.
Ein Schnarcher im Nachbarabteil brachte Sand ins Getriebe ihrer romantischen Nachtzugreise nach Wien.
Herkunft: Ein junges Bild aus der Maschinenzeit: Sand zwischen Zahnrädern bringt eine Maschine zum Stillstand.
eine ruhige Kugel schieben
Es sich bequem machen und sich bei der Arbeit nicht anstrengen. Salopp.
Im Sommer schiebt der Skilehrer eine ruhige Kugel.
den Ball flach halten
Zurückhaltend bleiben und nichts aufbauschen oder groß ankündigen.
Vor dem Derby hielt der Trainer den Ball bewusst flach.
Herkunft: Aus dem Fußball: Flache Pässe sind sicherer als hohe.
Klinken putzen
Mühsam von Tür zu Tür um Aufträge werben.
Für ihren ersten Gedichtband putzte sie Klinken bei jedem Verlag der Stadt.
Herkunft: Hausierer und Vertreter, die von Tür zu Tür gingen, fassten so viele Türklinken an, dass sie diese scheinbar blank polierten.
