Deutsche Sprichwörter und ihre Bedeutung: 28 Beispiele
Ein Sprichwort ist ein ganzer Satz mit einer Lebensweisheit, anders als eine Redewendung, die man in eigene Sätze einbaut. Diese hier kennt fast jeder, aber nicht jeder weiß genau, was sie meinen.
Der Teufel steckt im Detail
Die Schwierigkeiten zeigen sich erst in den kleinen Einzelheiten.
Das Regal sah einfach aus, aber der Teufel steckt im Detail: Schraube 14 fehlte.
Herkunft: Lehnübersetzung aus dem Englischen oder Französischen („le diable est dans les détails“), im Deutschen erst seit dem 20.
Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul
Geschenke prüft und kritisiert man nicht.
Die Vase ist scheußlich, aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.
Herkunft: Das Alter eines Pferdes erkennt man an den Zähnen; ein Käufer schaut deshalb ins Maul.
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm
Kinder ähneln oft ihren Eltern in Wesen oder Verhalten.
Auch die Tochter sammelt Schallplatten: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Herkunft: Seit dem 16.
Lügen haben kurze Beine
Lügen fliegen meist schnell auf.
In Disneys ‚Pinocchio‘ wächst dem Holzjungen bei jeder Lüge die Nase: der sichtbarste Beweis, dass Lügen kurze Beine haben.
Herkunft: Das Bild: Mit kurzen Beinen kommt man nicht weit und wird bald eingeholt.
Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste
Behutsamkeit schützt Zerbrechliches. Mit Augenzwinkern.
Ich frag vorher lieber noch mal beim Vermieter nach, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.
Herkunft: Scherzhafte Erweiterung des älteren „Vorsicht ist die Mutter der Weisheit“ (seit dem 17.
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen
Können muss man sich erst erarbeiten.
Ihr erster Hefezopf sah aus wie ein verknoteter Gartenschlauch, aber es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Herkunft: Im Handwerk wurde man erst nach Lehrjahren, Gesellenzeit und Meisterstück zum Meister.
Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird
Am Ende ist die Sache weniger schlimm als angekündigt.
Zwei Wochen Besuch hatten die Schwiegereltern angekündigt, am Ende wurden es drei Tage. Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
Herkunft: Eine Suppe kommt dampfend vom Herd, doch bis sie auf dem Löffel landet, ist sie schon abgekühlt.
Das letzte Hemd hat keine Taschen
Ins Grab kann man nichts mitnehmen. Also nutze, was du hast.
Statt das Erbe anzulegen, buchte sie eine Weltreise: Das letzte Hemd hat keine Taschen.
Herkunft: Das „letzte Hemd“ ist das Totenhemd, in dem man begraben wird.
Der Ton macht die Musik
Wie man etwas sagt, ist mindestens so wichtig wie was man sagt.
Er bat um Ruhe, allerdings brüllend quer durchs Treppenhaus. Der Ton macht die Musik.
Herkunft: Aus der Musik: Dieselben Noten klingen je nach Anschlag und Klangfarbe ganz verschieden.
Morgenstund hat Gold im Mund
Wer früh aufsteht, schafft mehr.
Er schreibt seine besten Texte vor sieben, Morgenstund hat Gold im Mund.
Herkunft: Vermutlich aus dem Lateinischen „aurora habet aurum in ore“, das selbst schon ein Wortspiel war: Aurora, die Göttin der Morgenröte, „hat Gold im Mund“, weil ihr Name mit „aurum“ (Gold) und „os“ (Mund) anklingt.
Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus
Man bekommt den Ton zurück, den man selbst anschlägt.
Seine Mail war in Großbuchstaben, die Antwort auch: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.
Herkunft: Vom Echo im Wald, seit dem 16.
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr
Was man in der Jugend versäumt, holt man später kaum nach.
Die Oma hat mit siebzig noch Klavierspielen gelernt, so viel zu „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“.
Herkunft: Belegt seit dem 17.
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer
Ein einzelnes gutes Zeichen beweist noch keine Wende.
Ein warmer Tag im Februar, alle sitzen draußen im Café, aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
Herkunft: Schon bei Aristoteles (Nikomachische Ethik I,6): „Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling.“ Ein einzelnes gutes Zeichen beweist noch nichts.
Neue Besen kehren gut
Neue Leute oder Methoden bringen frischen Elan.
Der neue Hausmeister reparierte in einer Woche drei Jahre Rückstand: Neue Besen kehren gut.
Herkunft: Ein neuer Besen hat noch alle Borsten und fegt gründlich, später nutzt er sich ab.
Die Axt im Haus erspart den Zimmermann
Wer selbst zupacken kann, braucht keinen Fachmann.
Sie flickte den Fahrradschlauch selbst und grinste: „Die Axt im Haus erspart den Zimmermann.“
Herkunft: Aus Schillers „Wilhelm Tell“ (1804), III.
Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall
Geschmäcker sind verschieden: Was der eine scheußlich findet, findet der andere wunderbar.
Du findest Free Jazz anstrengend, ich finde ihn herrlich: Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall.
Herkunft: Niederdeutsche Redensart; Uhl ist das plattdeutsche Wort für Eule.
Jeder ist seines Glückes Schmied
Das eigene Handeln bestimmt das Schicksal.
Statt auf den Traumjob zu warten, eröffnete sie ihre eigene kleine Weinbar: Jeder ist seines Glückes Schmied.
Herkunft: Nach dem römischen Konsul Appius Claudius Caecus (um 300 v.
Wo gehobelt wird, fallen Späne
Wo gearbeitet wird, entstehen unweigerlich Nebenprodukte oder Fehler.
Beim Relaunch der Website war drei Tage lang das Impressum verschwunden. Wo gehobelt wird, fallen Späne.
Herkunft: Aus der Tischlerei: Beim Hobeln fallen zwangsläufig Späne ab.
Ein gebranntes Kind scheut das Feuer
Wer Schmerz erlebt hat, meidet ähnliche Situationen in Zukunft.
Nach dem Krypto-Verlust blieb er beim Sparbuch: Ein gebranntes Kind scheut das Feuer.
Herkunft: Ein Kind, das sich einmal am Ofen verbrannt hat, hält danach Abstand.
Der Klügere gibt nach
Aus Einsicht einzulenken ist weiser als Rechthaben um jeden Preis.
Beim Streit um das letzte Stück Tiramisu schob sie ihm den Teller hin: Der Klügere gibt nach.
Herkunft: Belegt seit dem 19.
Papier ist geduldig
Auf Papier lässt sich alles behaupten. Ob es stimmt, zeigt erst die Wirklichkeit.
Im Diätplan steht kein Stück Kuchen, aber Papier ist geduldig.
Herkunft: Nach Cicero: „epistula non erubescit“ (ein Brief errötet nicht), also: Schriftlich schämt man sich nicht.
Schuster, bleib bei deinen Leisten
Rede nicht über Dinge, von denen du nichts verstehst.
Der Legende nach wies der Maler Apelles einen Schuster, der an seinem Bild herummäkelte, mit diesem Satz zurecht: Schuster, bleib bei deinen Leisten.
Herkunft: Nach Plinius dem Älteren: Der Maler Apelles nahm die Kritik eines Schuhmachers an einem gemalten Schuh an, wies aber dessen Urteil über das Bein zurück: „Ne sutor ultra crepidam“ (Schuster, nicht über die Sandale hinaus).
Steter Tropfen höhlt den Stein
Ständige kleine Einwirkungen führen langfristig zu großen Veränderungen.
Zwei Jahre lang hat Fritzi jeden Abend nach einem Hund gefragt, seit Samstag wohnt ein Dackel bei uns. Steter Tropfen höhlt den Stein.
Herkunft: Aus dem Lateinischen: „Gutta cavat lapidem“ (Ovid, Briefe vom Schwarzen Meer).
Der Fisch stinkt vom Kopf her
Missstände in einer Organisation beginnen bei der Führung.
Im Restaurant ist das Personal ständig gereizt, und der Chef brüllt schon beim Frühdienst. Der Fisch stinkt vom Kopf her.
Herkunft: Ein verwesender Fisch riecht tatsächlich zuerst am Kopf, wo Kiemen und Innereien liegen.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
Prüfen ist zuverlässiger als glauben.
Er sagt, der Hund war schon draußen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Die Leine hängt unberührt am Haken.
Wer rastet, der rostet
Wer untätig ist, verliert an Fähigkeiten und Energie.
Nach zwei Jahren Elternzeit meldete sie sich als Erstes zum Excel-Kurs an. Wer rastet, der rostet.
Herkunft: Eisernes Werkzeug, das ungenutzt herumliegt, setzt Rost an; wer es regelmäßig benutzt, hält es blank.
Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist
Die Gelegenheit nutzen, solange sie da ist.
Endlich schien die Sonne, also strich er noch am selben Nachmittag den Zaun: Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist.
Herkunft: Vom Schmiedehandwerk: Nur glühendes Eisen lässt sich formen.
Gut Ding will Weile haben
Gute Ergebnisse brauchen Zeit und Sorgfalt.
An Gaudís Sagrada Família in Barcelona wird seit 1882 gebaut: Gut Ding will Weile haben.
Herkunft: Ein altes Sprichwort: „Ding“ steht für eine Sache oder ein Werk, „Weile“ für Zeit.
