Rhetorische Stilmittel: 18 Stilmittel mit Beispielen
Stilmittel sind die Werkzeuge, mit denen Reden und Texte wirken. Man findet sie in Gedichten, Werbung und Bundestagsreden. Hier stehen die wichtigsten, jeweils mit Bedeutung und einem Beispiel.
die Anapher
Stilmittel: Mehrere Sätze oder Verse beginnen mit demselben Wort, etwa „Wir wollen … wir wollen … wir wollen …“.
Martin Luther Kings Rede ‚I Have a Dream‘ lebt von einer Anapher: Immer wieder beginnt er mit diesem Satz.
Herkunft: Von griechisch anaphora, die Wiederaufnahme.
der Chiasmus
Stilmittel: Satzteile werden über Kreuz gespiegelt, etwa „Die Kunst ist lang, und kurz ist unser Leben.“
In Goethes ‚Faust‘ klagt Wagner, die Kunst sei lang und kurz unser Leben: ein Chiasmus.
Herkunft: Nach dem griechischen Buchstaben Chi, der wie ein X aussieht: Die Satzglieder kreuzen sich.
die Klimax
Stilmittel: eine Reihe, die sich Stufe um Stufe bis zum Stärksten steigert: „er zögerte, zweifelte, verzweifelte“.
Caesars „Ich kam, ich sah, ich siegte“ gilt als Musterbeispiel einer Klimax.
Herkunft: Griechisch klimax heißt Leiter oder Treppe: Die Rede steigt Sprosse für Sprosse nach oben.
das Zeugma
Ein Verb bezieht sich auf zwei Satzteile, die nicht zusammenpassen: „Er nahm den Hut und Abschied.“
„Sie nahm sich ein Taxi und viel Zeit“: Sein Date-Bericht begann mit einem Zeugma.
Herkunft: Von griechisch zeugma, Joch, Verbindung: Ein Verb spannt zwei Satzteile zusammen.
das Oxymoron
Zwei Wörter, die sich widersprechen und zusammen doch Sinn ergeben, etwa „bittersüß“ oder „eisige Glut“.
„Beredtes Schweigen“ beim ersten Date: ein schönes Oxymoron und leider kein gutes Zeichen.
Herkunft: Aus dem Griechischen: oxys heißt scharf, moros dumm.
die Hyperbel
Eine bewusste, starke Übertreibung, die niemand wörtlich nimmt: „Ich hab dir das schon tausendmal gesagt.“
„Ich sterbe vor Hunger“ ist eine Hyperbel, spätestens beim Brotkorb ist sie widerlegt.
Herkunft: Von griechisch hyperbole, das Hinauswerfen über etwas hinaus, also das Übermaß.
die Litotes
Untertreibung durch Verneinung des Gegenteils: „nicht übel“ für gut, „nicht ganz billig“ für teuer.
„Nicht ganz unbegabt“, sagte die Chorleiterin nach seinem Solo. Aus ihrem Mund eine Litotes und höchstes Lob.
Herkunft: Von griechisch litotes, Schlichtheit.
die Allegorie
Ein Bild oder eine Figur, die eine abstrakte Idee verkörpert.
Die Frau mit Waage und Augenbinde über dem Gerichtsportal ist eine Allegorie der Gerechtigkeit.
Herkunft: Griechisch allēgoría, ‚das Anderssagen‘, aus állos, ‚anders‘, und agoreúein, ‚öffentlich reden‘.
der Euphemismus
Ein milder oder indirekter Ausdruck für etwas Unangenehmes.
Aus Furcht nannten die Griechen ihre Rachegöttinnen „Eumeniden“, die Wohlgesinnten: ein Euphemismus.
Herkunft: Griechisch euphēmismós, von eu, ‚gut‘, und phēmē, ‚Rede‘.
der Dysphemismus
Ein absichtlich abwertender oder derber Ausdruck anstelle einer neutralen Bezeichnung.
„Drahtesel“ ist liebevoll, „Schrottkarre“ dagegen ein klarer Dysphemismus.
Herkunft: Aus griechisch dys-, schlecht, und phēmē, Rede.
die Synekdoche
Ein Teil steht für das Ganze oder umgekehrt, etwa „ein Dach über dem Kopf“ für eine Wohnung.
„Vier hungrige Mäuler“ stand in der Reservierung. Der Wirt verstand die Synekdoche und deckte für vier.
Herkunft: Von griechisch synekdoche, das Mitverstehen.
der Pleonasmus
Überflüssige Häufung von Wörtern mit gleicher Bedeutung, etwa „weißer Schimmel“.
„Runder Kreis“ ist ein klassischer Pleonasmus.
Herkunft: Von griechisch „pleonasmós“, Überfluss, Übermaß.
die Tautologie
Aussage, die sich selbst wiederholt und deshalb nichts sagt: „Regeln sind eben Regeln.“
Ihr einziges Argument war eine Tautologie: „Das machen wir so, weil wir es so machen.“
Herkunft: Griechisch tautologia, aus tauto, ‚dasselbe‘, und logos, ‚Wort‘.
die Praeteritio
Rhetorischer Kniff: ankündigen, etwas nicht zu erwähnen, und es genau dadurch erwähnen.
„Vom Rotweinfleck auf dem Sofa fange ich gar nicht erst an“, sagte sie. Eine klassische Praeteritio.
Herkunft: Spätlateinisch praeteritio, das Vorübergehen, Übergehen.
die Aposiopese
Ein Satz bricht mittendrin ab, den Rest denkt man sich: „Wenn du das noch einmal machst, dann …“
„Wenn du noch einmal meinen Joghurt isst, dann …“ Ihre Aposiopese hing drohend in der WG-Küche.
Herkunft: Von griechisch aposiopesis, das Verstummen.
das Hendiadyoin
Zwei verbundene Wörter drücken gemeinsam eine einzige Sache aus: „Haus und Hof“, „Hab und Gut“.
Seit dem ersten Date ist er Feuer und Flamme. „Ein Hendiadyoin“, sagt seine Mitbewohnerin trocken.
Herkunft: Von griechisch hen dia dyoin, eins durch zwei.
die Katachrese
Bildbruch: Sprachbilder, die nicht zusammenpassen, werden vermischt, oft unfreiwillig komisch.
„Der Zahn der Zeit lässt darüber Gras wachsen“, tröstete er nach dem Date. Eine herrliche Katachrese.
Herkunft: Von griechisch katachresis, Missbrauch, falscher Gebrauch.
die Allusion
Versteckte Anspielung auf etwas, das der Zuhörer selbst erkennen soll.
Die Rede enthielt eine feine Allusion auf den gescheiterten Umzug der Firma, die nur Eingeweihte verstanden.
Herkunft: Von lateinisch „alludere“, scherzen, anspielen, verwandt mit „ludus“, Spiel.
