Begriffe aus Wirtschaft und Handel: 34 Wörter mit Beispiel
Wirtschaftsteil, Meeting, Quartalsbericht: Hier stehen Wörter und Wendungen aus Wirtschaft und Handel, mit ihrer Bedeutung und einem Beispiel.
Wörter
die Allmende
Land oder Gut, das einer Gemeinschaft gehört und von allen gemeinsam genutzt wird.
Der WG-Kühlschrank ist eine Allmende: Alle nehmen, keiner kauft Butter.
Herkunft: Mittelhochdeutsch almende, almeinde, wohl das, was allen gemeinsam gehört, zu all und gemein.
antizyklisch
Gegen den gerade herrschenden Trend oder Rhythmus: etwas tun, wenn die anderen es lassen.
Antizyklisch reisen heißt: im November nach Porto, wenn die Gassen dir gehören.
Herkunft: Aus griechisch anti, gegen, und kyklos, Kreis.
die Arbitrage
Das Ausnutzen von Preisunterschieden: an einem Ort billig kaufen, am anderen zugleich teurer verkaufen.
Platten auf dem Flohmarkt für zwei Euro kaufen, im Netz für zwanzig verkaufen: Arbitrage im Kleinen.
Herkunft: Aus französisch arbitrage, Schiedsspruch, Abwägung, zu lateinisch arbiter, Schiedsrichter.
defizitär
Macht Verlust, bringt also weniger ein, als es kostet. Allgemeiner auch: mangelhaft.
Das Schwimmbad blieb defizitär, geliebt wurde es trotzdem.
Herkunft: Über französisch déficitaire zu Defizit, lateinisch deficit, ‚es fehlt‘.
das Douceur
Kleine Geldzuwendung oder Gefälligkeit, die jemanden gewogen stimmen soll, oft nah an der Bestechung.
Ein kleines Douceur an den Portier, und plötzlich war doch noch ein Zimmer frei.
Herkunft: Aus dem Französischen douceur, Süße, Sanftheit, zu doux, süß.
das Faustpfand
Etwas, das man in der Hand behält, um bei der Gegenseite Druck auszuüben oder sich abzusichern.
Die Kaution ist das Faustpfand des Vermieters, falls die Wohnung beschädigt zurückkommt.
Herkunft: Im alten Recht war ein Faustpfand eine bewegliche Sache, die der Gläubiger bis zur Rückzahlung tatsächlich in seinem Besitz behielt.
fungibel
Austauschbar, weil ein Stück genauso viel wert ist wie jedes andere gleicher Art, etwa Geld oder Gold.
Konzertkarten mit Platznummer sind nicht fungibel: Reihe drei ist eben nicht Reihe zwanzig.
Herkunft: Von lateinisch fungi, verrichten, die Stelle von etwas einnehmen.
der Geltungskonsum
Der Kauf teurer Dinge vor allem, um damit Status und Wohlstand vorzuführen.
Der dritte Geländewagen in der Einfahrt ist reiner Geltungskonsum, im Gelände war die Familie noch nie.
Herkunft: Lehnübersetzung des englischen „conspicuous consumption“, das der Ökonom Thorstein Veblen 1899 in seiner „Theorie der feinen Leute“ prägte.
die Goldgräberstimmung
Euphorische Aufbruchsstimmung, wenn viele in einem neuen Markt auf schnellen Reichtum hoffen.
In der kalifornischen Goldgräberstimmung verdienten oft die Händler am besten: Sie verkauften die Schaufeln.
Herkunft: Nach den Goldräuschen des 19.
das Klumpenrisiko
Die Gefahr, die entsteht, wenn man zu viel auf eine einzige Sache, Anlage oder Person setzt.
Dass die Firma neunzig Prozent ihres Umsatzes mit einem einzigen Kunden macht, ist ein enormes Klumpenrisiko.
Herkunft: Ein Begriff aus Bank- und Versicherungswesen: Der „Klumpen“ ist die Ballung vieler Risiken an einer Stelle.
der Kobra-Effekt
Eine Lage, in der eine gut gemeinte Maßnahme genau das Problem verschlimmert, das sie lösen sollte.
Die Strafgebühr fürs späte Abholen führte in der Kita zu mehr Verspätungen, ein Kobra-Effekt wie aus dem Lehrbuch.
Herkunft: Nach einer Anekdote aus der britischen Kolonialzeit in Indien: Für jede tote Kobra gab es eine Prämie, also züchteten findige Leute Kobras.
die Kursfantasie
Die Hoffnung auf eine künftige Wertsteigerung, die sich mehr auf Erwartungen als auf Tatsachen stützt.
Die Firma schreibt seit Jahren Verluste, doch die Kursfantasie der Anleger ist ungebrochen.
Herkunft: Fantasie geht auf griechisch phantasía, ‚Erscheinung, Vorstellung‘, zurück.
der Mitnahmeeffekt
Wenn eine Prämie oder Förderung Leute belohnt, die das Geförderte ohnehin getan hätten.
Die Rabattaktion für Winterreifen im Oktober? Ein reiner Mitnahmeeffekt, gekauft hätten alle sowieso.
Herkunft: Fachwort der Wirtschaftspolitik: Wer eine Förderung „mitnimmt“, kassiert sie beiläufig für ein Vorhaben, das ohnehin feststand.
mündelsicher
Absolut verlässlich und ohne jedes Risiko, ursprünglich von Geldanlagen gesagt.
Die Zusage meiner Großmutter, zum Geburtstag einen Kuchen zu backen, ist mündelsicher.
Herkunft: Aus dem Vormundschaftsrecht: Das Geld eines Mündels darf nur in besonders sichere, gesetzlich zugelassene Anlagen fließen.
das Nullsummenspiel
Eine Lage, in der der Gewinn der einen Seite genau dem Verlust der anderen entspricht.
Freundschaft ist kein Nullsummenspiel: Wenn du neue Freunde findest, verliere ich dich nicht.
Herkunft: Ein Begriff der Spieltheorie, die der Mathematiker John von Neumann und der Ökonom Oskar Morgenstern 1944 grundlegend ausgearbeitet haben.
die Obsoleszenz
Das Veralten eines Produkts, bis es unbrauchbar ist oder von Neuerem verdrängt wird.
In den 1920er-Jahren einigten sich große Glühbirnenhersteller im Phoebus-Kartell auf höchstens tausend Stunden Brenndauer: geplante Obsoleszenz.
Herkunft: Von lateinisch obsolescere „sich abnutzen, veralten, aus der Übung kommen“.
das Pareto-Prinzip
Die Faustregel, nach der ein kleiner Teil des Aufwands den Großteil des Ergebnisses bringt, oft als Verhältnis von 80 zu 20 beschrieben.
Nach dem Pareto-Prinzip machen zwei Kunden den Großteil unseres Umsatzes aus.
Herkunft: Benannt nach dem italienischen Ökonomen Vilfredo Pareto, der um 1900 feststellte, dass rund ein Fünftel der Bevölkerung Italiens den Großteil des Landes besaß.
prosperieren
Wirtschaftlich gedeihen und kräftig wachsen.
Seit die Bahnstrecke wieder fährt, prosperiert das ganze Tal.
Herkunft: Von lateinisch prosperare, gedeihen lassen, zu prosperus, glücklich, günstig.
die Scheinblüte
Ein Aufschwung, der nach außen glänzend wirkt, aber keine solide Grundlage hat.
Der Boom der Ferienwohnungen im Ort war eine Scheinblüte, nach zwei Sommern standen die meisten leer.
Herkunft: Die Blüte steht schon lange für eine Zeit des Gedeihens, wie in „Blütezeit“.
der Schweinezyklus
Ein wiederkehrendes Auf und Ab, das entsteht, weil alle zugleich auf dieselbe Lage reagieren und sie damit ins Gegenteil kippen.
Erst fehlen Lehrkräfte, dann gibt es zu viele, der Schweinezyklus im Bildungswesen ist legendär.
Herkunft: Der Agrarökonom Arthur Hanau beschrieb 1927, wie hohe Schweinepreise viele Bauern zugleich zum Züchten verleiteten, worauf die Preise fielen und der Kreislauf von vorn begann.
die Tulpenmanie
Preisrausch um Tulpenzwiebeln in den Niederlanden bis 1637; übertragen: jede irrwitzige Spekulation, die jäh platzt.
Turnschuhe für viertausend Euro, die nächstes Jahr keiner mehr will? Tulpenmanie mit Schnürsenkeln.
Herkunft: Nach der Tulpenspekulation im Goldenen Zeitalter der Niederlande: Einzelne Zwiebeln seltener Sorten wie ‚Semper Augustus‘ sollen zeitweise so viel gekostet haben wie ein Stadthaus, bis die Preise im Februar 1637 einbrachen.
der Ultimo
Der letzte Tag eines Monats, besonders als Zahlungs- oder Abgabetermin.
Die Miete ist jeweils zum Ultimo fällig, nicht erst zum Ersten des Folgemonats.
Herkunft: Aus dem Italienischen ultimo, der letzte, von lateinisch ultimus.
Feste Wendungen
Bilanz ziehen
Nach einem Abschnitt zusammenfassend bewerten, was gut und was schlecht gelaufen ist.
Nach hundert Tagen im Amt zog die Bürgermeisterin eine erste Bilanz.
Herkunft: Italienisch bilancio, zu bilancia, ‚Waage‘, aus lateinisch bilanx, ‚mit zwei Waagschalen‘.
Goodharts Gesetz
Die Erfahrung, dass eine Kennzahl ihre Aussagekraft verliert, sobald man sie zum Ziel erhebt.
Seit die Abteilung nach geschlossenen Tickets bewertet wird, schließt sie Tickets, bevor sie gelöst sind, Goodharts Gesetz in Reinform.
Herkunft: Benannt nach einem britischen Ökonomen, der die Beobachtung 1975 im Zusammenhang mit der Geldpolitik formulierte.
Parkinsonsches Gesetz
Die Erfahrungsregel, dass sich Arbeit genau so weit ausdehnt, wie Zeit für sie zur Verfügung steht.
Ich hatte einen ganzen Sonntag für die Steuererklärung, und nach dem Parkinsonschen Gesetz habe ich ihn auch gebraucht.
Herkunft: Benannt nach dem britischen Historiker Cyril Northcote Parkinson, der die Regel 1955 in einem satirischen Zeitungsessay über die Verwaltung aufstellte.
versunkene Kosten
Bereits ausgegebene Mittel, die sich nicht zurückholen lassen und deshalb keine künftige Entscheidung bestimmen sollten.
Die drei Jahre im falschen Studium sind versunkene Kosten und kein Grund, noch zwei dranzuhängen.
Herkunft: Lehnübersetzung des englischen sunk costs, wörtlich ‚versenkte Kosten‘.
Redewendungen
auf Heller und Pfennig
Bis auf den letzten Rest genau, vor allem beim Abrechnen oder Zurückzahlen.
Nach dem Urlaub hat Clara allen die Ausgaben auf Heller und Pfennig vorgerechnet.
Herkunft: Der Heller war eine kleine Münze, benannt nach der Stadt Schwäbisch Hall, wo sie im Mittelalter geprägt wurde.
bei jemandem in der Kreide stehen
Jemandem Geld oder einen Gefallen schulden.
Seit Lukas mir beim Umzug geholfen hat, stehe ich bei ihm in der Kreide.
Herkunft: Früher notierten Wirte und Händler die Schulden ihrer Kundschaft mit Kreide auf einer Tafel.
die Talsohle durchschreiten
Den tiefsten Punkt einer schwierigen Phase erreichen und hinter sich lassen.
Nach zwei schwachen Jahren hat der Einzelhandel die Talsohle offenbar durchschritten.
Herkunft: Talsohle meint den tiefsten Grund eines Tals, wie die Sohle unter dem Fuß.
jemandem einen Blankoscheck ausstellen
Jemandem uneingeschränkte Handlungsfreiheit geben, ohne Bedingungen oder Grenzen zu setzen.
Der Aufsichtsrat hat dem neuen Chef einen Blankoscheck ausgestellt.
Herkunft: Blanko kommt von italienisch bianco, ‚weiß‘, also leer.
mit Zins und Zinseszins
In vollem Umfang und mit einem spürbaren Aufschlag, meist beim Heimzahlen oder Zurückgeben.
Den Aprilscherz vom letzten Jahr hat ihm seine Schwester mit Zins und Zinseszins heimgezahlt.
Herkunft: Zins stammt von lateinisch census, ‚Schätzung, Vermögensabgabe‘, und meinte im Mittelalter jede Abgabe an den Grundherrn.
per saldo
Unter dem Strich, wenn man alle Vor- und Nachteile gegeneinander aufrechnet.
Der Umzug aufs Land kostet uns zwar Zeit im Zug, per saldo sind wir aber glücklicher.
Herkunft: Stammt aus der Buchhaltung: Der Saldo ist der Betrag, der nach dem Verrechnen von Soll und Haben übrig bleibt.
von altem Schrot und Korn
Redlich, tüchtig und verlässlich, wie man es von früher kennt.
Unser Hausarzt ist ein Mediziner von altem Schrot und Korn, er nimmt sich für jeden Zeit.
Herkunft: Aus dem Münzwesen: Schrot war das Rohgewicht einer Münze, Korn ihr Gehalt an Edelmetall.
zu Buche schlagen
Sich deutlich bemerkbar machen, vor allem bei den Kosten.
Die drei Wochen Italien schlugen kräftig zu Buche, vor allem das Eis.
Herkunft: Aus der Buchführung: Was in den Büchern verbucht wird, zählt am Ende in der Bilanz.
Häufige Fragen
Was ist der Schweinezyklus?
Ein Auf und Ab von Preisen und Angebot: Sind die Preise hoch, wird mehr produziert, das Angebot steigt verzögert, die Preise fallen, und es wird wieder weniger produziert. Der Name stammt aus der Beobachtung des Schweinemarkts.
Was bedeutet das Pareto-Prinzip?
Dass ein kleiner Teil der Ursachen oft den größten Teil der Wirkung hat, häufig als 80 zu 20 beschrieben. Etwa 20 Prozent der Kunden bringen 80 Prozent des Umsatzes.
Was heißt „per saldo“?
Unterm Strich, wenn man alles gegeneinander aufrechnet. Der Begriff kommt aus der Buchhaltung, wo der Saldo die Differenz zwischen zwei Seiten eines Kontos ist.
