Deutsche Redewendungen und ihre Bedeutung: 30 bekannte Wendungen mit Herkunft
Redewendungen sagen in wenigen Wörtern, wofür man sonst einen ganzen Satz bräuchte. Hier stehen bekannte Wendungen mit ihrer Bedeutung, einem Beispiel und der Geschichte dahinter.
auf den Leim gehen
Auf eine geschickte Täuschung hereinfallen.
Viele britische Zuschauer gingen 1957 einem Aprilscherz der BBC über Spaghetti, die an Bäumen wachsen, auf den Leim.
Herkunft: Vogelfänger bestrichen Ruten mit Leim; Vögel, die sich darauf setzten, blieben kleben.
einen Bärendienst erweisen
Jemandem in guter Absicht helfen, dabei aber Schaden anrichten.
Die Nachbarin goss seine Kakteen im Urlaub jeden Tag und erwies ihm damit einen Bärendienst: Sie sind alle verfault.
Herkunft: Aus einer Fabel La Fontaines (1678): Ein Bär will seinem schlafenden Freund eine Fliege vom Gesicht verscheuchen, wirft einen Stein und erschlägt den Freund.
kalter Kaffee sein
Längst bekannt und darum nicht mehr interessant. Umgangssprachlich.
Dass die Nachbarn aus dem zweiten Stock ein Paar sind, war im Haus längst kalter Kaffee.
Herkunft: Kaffee, der kalt geworden ist, schmeckt schal und wird nicht mehr gern getrunken.
etwas aufs Tapet bringen
Ein Thema zur Sprache bringen und zur Diskussion stellen.
Beim Familienessen brachte meine Schwester das Thema Pflegeheim aufs Tapet.
Herkunft: Nach französisch „mettre sur le tapis“.
mit zweierlei Maß messen
Unterschiedliche Maßstäbe für verschiedene Personen anlegen.
Die Eltern maßen mit zweierlei Maß: Der Kleine durfte bis zehn aufbleiben, die Große nie.
Herkunft: Schon die Bibel verbietet betrügerischen Händlern zweierlei Gewicht, ein großes zum Einkaufen und ein kleines zum Verkaufen.
bei jemandem ist Hopfen und Malz verloren
Jemand ist nicht mehr zu bessern.
Beim Tanzen ist bei ihm Hopfen und Malz verloren: Nach zehn Salsastunden zählt er noch laut mit.
Herkunft: Hopfen und Malz sind die Grundstoffe des Bieres.
Fersengeld geben
Umgangssprachlich: schnell davonlaufen, fliehen.
Als der Hofhund bellte, gaben die Apfeldiebe Fersengeld.
Herkunft: Im Mittelalter konnte man sich von manchen Pflichten durch eine Geldzahlung freikaufen.
an die große Glocke hängen
Etwas breit und öffentlich herumerzählen.
Ihre Verlobung hängten die beiden nicht an die große Glocke, selbst die beste Freundin erfuhr erst beim Anblick des Rings davon.
Herkunft: Wichtige Nachrichten wurden früher mit der Kirchen- oder Ratsglocke bekannt gemacht.
den Bogen überspannen
Zu weit gehen, das Erträgliche überschreiten.
Den dritten Nachschlag bekam er noch, mit der Bitte um ein Lunchpaket überspannte er den Bogen.
Herkunft: Aus dem Bogenschießen: Ein wenig Spannung braucht es für den Schuss, doch wer die Sehne zu stark spannt, bricht den Bogen.
über den Löffel barbieren
Jemanden gründlich übervorteilen.
Am Souvenirstand hat man ihn gründlich über den Löffel barbiert: zwanzig Euro für einen Kühlschrankmagneten.
Herkunft: Bader rasierten zahnlosen alten Männern die eingefallenen Wangen, indem sie ihnen einen Löffel in den Mund schoben und die Haut so spannten.
ein Wink mit dem Zaunpfahl
Ein sehr deutlicher Hinweis.
Der Prospekt vom Fitnessstudio auf dem Küchentisch war ein Wink mit dem Zaunpfahl.
Herkunft: Ein Wink ist eigentlich eine kleine, diskrete Handbewegung.
in den sauren Apfel beißen
Eine unangenehme Sache akzeptieren, weil es keine Alternative gibt.
Kein Direktflug mehr frei, also bissen wir in den sauren Apfel: zwölf Stunden mit Umstieg in Doha.
Herkunft: Ein saurer Apfel schmeckt unangenehm, doch wer Hunger hat, beißt trotzdem hinein.
auf Schusters Rappen
Scherzhaft für „zu Fuß“: wenn Bus, Bahn und Rad ausfallen und nur noch die eigenen Schuhe bleiben.
Der letzte Bus war weg, also ging es auf Schusters Rappen nach Hause.
Herkunft: Ein Rappe ist ein schwarzes Pferd.
reinen Wein einschenken
Jemandem die Wahrheit sagen, keine Illusionen lassen.
Die beste Freundin schenkte ihr reinen Wein ein: Der Pony war ein Fehler.
Herkunft: Wirte verdünnten oder panschten Wein.
die Fäden in der Hand halten
Die Kontrolle über etwas haben. Die Macht ausüben.
In der Küche der Hochzeitsfeier hielt die Tante alle Fäden in der Hand: wer schnippelt, wer rührt, wer abschmeckt.
Herkunft: Vom Marionettentheater: Der Puppenspieler hält die Fäden, an denen die Figuren hängen, und lenkt jede Bewegung, ohne selbst gesehen zu werden.
wie die Made im Speck leben
Sorglos im Überfluss leben.
Die Katze der Metzgersfrau lebt wie die Made im Speck.
Herkunft: Eine Made im Speck ist ganz von Nahrung umgeben und muss sich um nichts kümmern.
über den grünen Klee loben
Jemanden überschwänglich, fast schon maßlos preisen.
Die Nachbarin lobt den Kartoffelsalat ihres Sohnes über den grünen Klee.
Herkunft: Klee galt in der Dichtung des Mittelalters als Inbegriff des Frischen und Schönen.
sich ins Fäustchen lachen
Sich heimlich freuen, meist weil man selbst gut dasteht und andere das Nachsehen haben.
Während der Favorit im Sand stecken blieb, lachte sich der Zweitplatzierte ins Fäustchen.
Herkunft: Wer heimlich über jemanden lacht, hält sich die Faust vor den Mund, damit es keiner merkt.
über die Stränge schlagen
Zu weit gehen, über die Grenzen des Angemessenen hinausschießen.
Beim Karaoke schlug der sonst so stille Steuerberater über die Stränge und sang dreimal hintereinander ‚Bohemian Rhapsody‘.
Herkunft: Die Stränge sind die Zugriemen im Pferdegeschirr.
etwas auf dem Kerbholz haben
Sich etwas haben zuschulden kommen lassen.
Der Kater hat einiges auf dem Kerbholz: zwei zerbrochene Vasen und ein verschwundenes Schnitzel.
Herkunft: Vor der Buchführung wurden Schulden auf einem Holzstab eingekerbt, der längs gespalten wurde: Eine Hälfte behielt der Gläubiger, eine der Schuldner, und nur beide zusammen bewiesen die Schuld.
nicht auf Rosen gebettet sein
Keine leichte Situation haben, es nicht einfach haben.
Van Gogh war zeitlebens nicht auf Rosen gebettet: Zu Lebzeiten verkaufte er kaum ein Bild.
Herkunft: Ein Lager aus Rosenblättern galt schon in der Antike als Inbegriff des Luxus.
Maulaffen feilhalten
Untätig herumstehen und gaffen.
Kaum rollte der Kran an, hielt die halbe Mittagspause am Bauzaun Maulaffen feil, Brezel in der Hand.
Herkunft: Maulaffen waren Tonköpfe mit weit geöffnetem Mund, in die man den Kienspan als Lichthalter steckte.
sich freuen wie ein Schneekönig
Sich riesig und unbändig freuen.
Als der erste Schnee fiel, freute sich der Hund wie ein Schneekönig.
Herkunft: Der Schneekönig ist der Zaunkönig, ein winziger Vogel, der auch im Winter laut und fröhlich singt, wenn alle anderen still sind.
das Fell über die Ohren ziehen
Jemanden übel betrügen und dabei gründlich ausnehmen.
Beim Autokauf ohne Begleitung zogen sie ihm das Fell über die Ohren.
Herkunft: Beim Abhäuten eines Tieres zieht man das Fell zuletzt über Kopf und Ohren ab.
es geht um die Wurst
Jetzt entscheidet sich alles.
Letzte Runde beim Kneipenquiz, beide Teams punktgleich: Jetzt geht es um die Wurst.
Herkunft: Bei Volksfesten gab es Wettkämpfe wie Wurstschnappen oder Klettern am Maibaum, bei denen eine Wurst als Preis winkte.
mit allen Wassern gewaschen sein
Sehr erfahren und gerissen, kennt alle Tricks.
Die Maklerin war mit allen Wassern gewaschen und roch Zweifel vor dem ersten Wort.
Herkunft: Aus der Seemannssprache: Wer auf allen Meeren gefahren ist, wurde mit allen Wassern gewaschen und kennt jede Lage.
nach Strich und Faden
Vollständig und gründlich. Oft bei Niederlagen und Täuschungen.
Beim Souvenirkauf wurden sie nach Strich und Faden übers Ohr gehauen.
Herkunft: Aus der Webersprache: Ein gutes Tuch stimmte in Strich (Richtung des Gewebes) und Faden.
unter aller Kanone
Von miserabler Qualität.
Der Kaffee im Speisewagen war unter aller Kanone, der Blick auf die Alpen dafür grandios.
Herkunft: Nichts mit Geschützen: „Kanone“ ist hier das lateinische „canon“, der Maßstab.
den Teufel an die Wand malen
Das Schlimmste befürchten und es sich laut ausmalen.
Ein bisschen Wind, und schon malte er den Teufel an die Wand: Die Fähre werde bestimmt kentern.
Herkunft: Alter Aberglaube: Wer den Teufel nennt oder malt, ruft ihn herbei.
das Tüpfelchen auf dem i
Die letzte Kleinigkeit, die alles vollendet.
Der Zitronenabrieb über der Pasta war das Tüpfelchen auf dem i.
Herkunft: Der i-Punkt wird beim Schreiben zuletzt gesetzt, oft erst, wenn das Wort schon dasteht.
