Französische Wörter im Deutschen: 34 Beispiele mit Bedeutung
Von Chapeau bis Savoir-vivre: Das Deutsche hat viele Wörter aus dem Französischen übernommen, oft für Dinge, die mit Stil und Umgangsformen zu tun haben. Hier stehen die, die man im Alltag tatsächlich hört.
Wörter
die Bagatelle
Kleinigkeit, die kaum der Rede wert ist.
Ein Kratzer am Kotflügel? Eine Bagatelle, den poliert man raus.
Herkunft: Über das Französische aus italienisch bagatella „Kleinigkeit“.
der Bonvivant
Jemand, der das Leben genießt und gutes Essen, Wein und Gesellschaft liebt.
Onkel Ferdinand war ein Bonvivant, der jede Familienfeier mit einem Toast eröffnete.
Herkunft: Aus französisch bon vivant, zu bon, gut, und vivre, leben.
die Cause célèbre
Ein aufsehenerregender Fall, der die Öffentlichkeit lange beschäftigt und an dem sich die Gemüter erhitzen.
Der Streit um die alte Platane wurde zur Cause célèbre der ganzen Stadt.
Herkunft: Stammt aus der französischen Gerichtssprache, im 18.
Chapeau
Anerkennender Ausruf, mit dem man jemandem Respekt für eine beachtliche Leistung zollt.
Du hast den Schrank ohne Anleitung aufgebaut und keine Schraube übrig? Chapeau!
Herkunft: Verkürzt aus französisch „Chapeau bas!“, also „Hut ab!“.
der Coup
Überraschende, kühn geplante Aktion, die auf Anhieb gelingt.
Der kleine Verein hat den Torjäger des Tabellenführers verpflichtet, ein echter Coup.
Herkunft: Aus französisch coup „Schlag, Stoß“, das über das Lateinische auf griechisch kolaphos „Faustschlag“ zurückgeht.
die Déformation professionnelle
Einseitige Sicht- und Verhaltensweise, die jemand durch seinen Beruf angenommen hat und auch privat nicht ablegt.
Dass Pauline im Urlaub jede Speisekarte auf Kommafehler prüft, nennt sie selbst Déformation professionnelle.
Herkunft: Französisch ‚berufliche Verformung‘.
der Elan
Schwungvolle Begeisterung, mit der man etwas angeht.
Mit viel Elan strich Ronja an einem einzigen Samstag das ganze Treppenhaus.
Herkunft: Von französisch élan „Anlauf, Schwung“, zu s'élancer „sich vorwärtsstürzen“.
das Enfant terrible
Person, die in ihrem Umfeld durch provozierendes, unangepasstes Verhalten aneckt und auffällt.
Tante Rosi ist das Enfant terrible der Familie und singt beim Kaffeekranz gern Seemannslieder.
Herkunft: Französisch ‚schreckliches Kind‘.
das Faible
Besondere, oft schwer erklärbare Vorliebe für etwas oder jemanden.
Hanne hat ein Faible für alte Stummfilme und kennt jeden Sturz auswendig.
Herkunft: Von französisch faible „schwach“: Gemeint ist die schwache Stelle, an der man nicht widerstehen kann.
die Idee fixe
Vorstellung, von der jemand nicht mehr loskommt und die sein ganzes Denken beherrscht.
Seit dem Urlaub in Portugal ist eine eigene Surfschule am Atlantik Jasminas Idee fixe.
Herkunft: Im 19.
das Je ne sais quoi
Ein gewisser Reiz, der eine Person oder Sache besonders macht, sich aber kaum in Worte fassen lässt.
Die Wohnung ist klein und laut, aber sie hat ein gewisses Je ne sais quoi.
Herkunft: Französisch ‚ich weiß nicht was‘.
kokett
Spielerisch darauf bedacht, zu gefallen und Wirkung zu erzielen.
Mit einem koketten Augenaufschlag fragte Nele, ob noch ein Stück Torte übrig sei.
Herkunft: Von französisch coquet, abgeleitet von coq „Hahn“: Wer kokett ist, plustert sich auf wie ein Hahn.
das Laisser-faire
Haltung, die Dinge sich selbst zu überlassen und bewusst nicht einzugreifen.
In der WG herrscht beim Abwasch ein entspanntes Laisser-faire, das man der Küche ansieht.
Herkunft: Losung der französischen Physiokraten im 18.
das Malheur
Kleines Missgeschick, das ärgerlich ist, aber keine großen Folgen hat.
Beim Anstoßen kippte Greta ihr Glas über die Tischdecke, ein kleines Malheur, das der Gastgeber gelassen nahm.
Herkunft: Französisch malheur, aus mal „schlecht“ und heur „Glück, Schicksal“, das auf lateinisch augurium „Vorzeichen“ zurückgeht.
die Melange
Reizvolle Mischung aus verschiedenen Bestandteilen, die zusammen etwas Eigenes ergeben.
Die Hochzeitsband spielte eine Melange aus Swing, Schlager und Balkan-Pop, und alle tanzten.
Herkunft: Von französisch mélange „Mischung“.
nonchalant
Lässig und unbekümmert, ohne sich Mühe oder Sorge anmerken zu lassen.
Nonchalant warf Paulina den Schal über die Schulter und ging, als hätte sie nicht gerade das Quiz gewonnen.
Herkunft: Von altfranzösisch nonchaloir „sich nicht kümmern“, das auf lateinisch calere „warm sein“ zurückgeht: Wem nicht heiß wird, der bleibt gelassen.
pikiert
Leicht gekränkt und verstimmt, weil man sich zurückgesetzt fühlt.
Ines reagierte pikiert, als niemand ihren neuen Haarschnitt bemerkte.
Herkunft: Von französisch piquer „stechen“: Wer pikiert ist, fühlt sich ein wenig gestochen.
die Pièce de résistance
Das Glanzstück oder der Höhepunkt einer Sammlung, eines Menüs oder eines Programms.
Die Pièce de résistance des Abends war ein Lammbraten, an dem der Gastgeber zwei Tage gearbeitet hatte.
Herkunft: Französisch ‚Stück des Widerstands‘.
die Pointe
Überraschender, zugespitzter Schluss eines Witzes oder einer Geschichte, auf den alles hinausläuft.
Leider verriet Onkel Gregor die Pointe schon im zweiten Satz.
Herkunft: Französisch pointe ‚Spitze‘.
die Raison d'être
Grund, aus dem etwas oder jemand überhaupt existiert, sein eigentlicher Zweck.
Die Raison d'être dieses Cafés ist der Kuchen, der Kaffee ist eher Beiwerk.
Herkunft: Französisch raison d’être ‚Grund zu sein‘, zu lateinisch ratio ‚Vernunft, Grund‘.
das Sauve qui peut
Eine Lage allgemeiner Panik, in der jeder nur noch sich selbst zu retten versucht.
Als die Kantine verkündete, dass der Nachtisch gleich aus ist, brach ein Sauve qui peut aus.
Herkunft: Der alte Fluchtruf zerfallender Armeen.
das Savoir-vivre
Die Kunst, das Leben mit Stil und Genuss zu führen.
Ihr Savoir-vivre zeigt sich schon beim Picknick: Leinenserviette, gutes Brot, kalter Weißwein.
Herkunft: Aus dem Französischen, wörtlich zu leben wissen.
sich echauffieren
Sich lautstark über etwas aufregen und dabei in Hitze reden.
Opa echauffiert sich jedes Jahr aufs Neue über Lebkuchen im September.
Herkunft: Von französisch s'échauffer „sich erhitzen“.
Touché
Ausruf, mit dem man zugibt, dass ein Einwand des Gegenübers getroffen hat.
„Du sagst, ich soll weniger aufs Handy schauen, und liest selbst beim Essen Nachrichten?“ „Touché.“
Herkunft: Aus dem Fechten: Mit diesem Ausruf erkennt ein Fechter einen Treffer des Gegners an.
die Tour d'Horizon
Ein Überblick, der die wichtigsten Punkte eines Themas kurz der Reihe nach streift.
Zu Beginn der Sitzung gab die Ministerin eine Tour d'Horizon durch die aktuellen Streitfragen.
Herkunft: Französisch ‚Rundgang über den Horizont‘, also ein Rundblick.
die Trouvaille
Ein glücklicher Fund, der einen freut und überrascht.
Die alte Schreibmaschine vom Flohmarkt ist meine schönste Trouvaille dieses Jahres.
Redewendungen
comme il faut
So, wie es sich gehört; mustergültig und tadellos.
Der Tisch war gedeckt, comme il faut, mit drei Gläsern für jeden Gast.
Herkunft: Französisch ‚wie es sein muss‘.
Revenons à nos moutons
Die Aufforderung, nach einer Abschweifung zum eigentlichen Thema zurückzukehren.
Genug vom Fußball, revenons à nos moutons: Wer übernimmt das Protokoll?
Herkunft: Stammt aus der mittelalterlichen französischen Farce vom Advokaten Pathelin, in der ein Richter die Streitenden so zum Fall der gestohlenen Schafe zurückruft.
Rien ne va plus
Feststellung, dass nichts mehr geht und eine Lage völlig festgefahren ist.
Auf der Autobahn vor Kassel hieß es nach dem Unwetter: Rien ne va plus.
Herkunft: Ansage des Croupiers beim Roulette, nach der keine Einsätze mehr angenommen werden.
à jour
Auf dem neuesten Stand und ohne jeden Rückstand.
Nach dem langen Wochenende am Schreibtisch ist meine Steuerablage endlich wieder à jour.
Herkunft: Aus der Kaufmannssprache: Bücher à jour zu halten hieß, jede Buchung noch am selben Tag einzutragen.
à la bonne heure
Anerkennender Ausruf, mit dem man einer erfreulichen Entwicklung zustimmt, etwa im Sinne von „recht so“ oder „bravo“.
Du hast den Zahnarzttermin wirklich selbst ausgemacht? À la bonne heure!
Herkunft: Französisch à la bonne heure ‚zur guten Stunde‘.
Sprichwörter
Honi soit qui mal y pense
Ein Ausspruch, der davor warnt, harmlosen Dingen böse Absichten zu unterstellen, oft augenzwinkernd gebraucht, wenn der Verdacht gerade naheliegt.
Ausgerechnet am Tag der Steuerprüfung ist der Server ausgefallen, honi soit qui mal y pense.
Herkunft: Wahlspruch des englischen Hosenbandordens aus dem 14.
Noblesse oblige
Wer eine herausgehobene Stellung hat, muss sich auch besonders großzügig und anständig verhalten.
Als Chefin zahlte sie die Pizza für das ganze Team, Noblesse oblige.
Herkunft: Französische Maxime, nach der ein hoher Stand besondere Pflichten mit sich bringt.
Plus ça change, plus c'est la même chose
Je mehr sich äußerlich verändert, desto mehr bleibt im Kern alles beim Alten.
Neues Logo, neuer Name, gleiche Warteschleife: Plus ça change, plus c'est la même chose.
Herkunft: Geht auf den französischen Satiriker Alphonse Karr zurück, der den Satz 1849 in seiner Zeitschrift „Les Guêpes“ schrieb.
