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Begriffe der Rhetorik: 31 Fachwörter für Reden, Debatten und Texte

Wer weiß, wie ein Strohmann-Argument funktioniert oder was eine Invektive ist, hört Reden und Debatten anders zu. Hier stehen die Begriffe, mit denen man über Sprache und Überzeugen spricht.

das Strohmann-Argument

Man verdreht die Meinung des anderen zu einer schwachen Karikatur und widerlegt dann diese.

Sie wünscht sich weniger Fleisch, er fragt: „Du willst mir also das Grillen verbieten?“ Ein klassisches Strohmann-Argument.

die Invektive

Schmährede oder Schmähschrift: ein heftiger, beleidigender Angriff in Worten.

Wer in dieser WG den Abwasch vergisst, erntet Invektiven im Gruppenchat, gern in Großbuchstaben.

Herkunft: Von spätlateinisch invectiva (oratio), Schmährede, zu lateinisch invehi, jemanden anfahren.

das Pathos

Große, feierliche Gefühle in Rede, Musik oder Kunst, die mitreißen sollen. Oft auch: zu viel davon.

Die Rede hatte mehr Pathos als Inhalt, jeder Satz ein Schicksal, jede Pause ein Drama.

Herkunft: Griechisch páthos, ‚Leiden, Erlebnis, Leidenschaft‘, das Aristoteles neben Ethos und Logos zu den drei Mitteln der Überzeugung zählte.

die Sentenz

Kurzer, einprägsamer Satz mit einer allgemeinen Lebensweisheit.

Die Rede war mit Sentenzen gespickt, von Seneca bis zum Kalenderblatt.

Herkunft: Von lateinisch „sententia“, Meinung, Urteil, Sinnspruch.

die Apologie

Eine Verteidigungsrede oder Rechtfertigungsschrift für eine Person, eine Sache oder eine Lehre.

Sein Buch ist eine einzige Apologie des Zeitunglesens auf Papier.

Herkunft: Von griechisch apología, Verteidigungsrede.

das Bathos

Unfreiwillig komischer Absturz vom Erhabenen ins Banale.

Die Liebeserklärung endete mit „und du kochst super Nudeln“, ein Bathos, über das die beiden heute noch lachen.

Herkunft: Der englische Dichter Alexander Pope machte im 18.

die Captatio benevolentiae

Das Werben um Wohlwollen zu Beginn einer Rede, etwa mit einem Kompliment ans Publikum oder etwas Bescheidenheit.

Der Gastredner begann mit „Neben Ihnen allen bin ich hier nur die Vorband“, eine charmante Captatio benevolentiae.

Herkunft: Lateinisch „Einfangen des Wohlwollens“.

deklamatorisch

Feierlich und mit großer Geste vorgetragen, dabei aber ohne inhaltliche Verbindlichkeit.

Die Erklärung zum Klimaschutz blieb deklamatorisch, konkrete Maßnahmen standen keine drin.

Herkunft: Zu lateinisch declamare, laut vortragen.

die Diatribe

Gelehrte Streitschrift oder scharfe Rede, die mit einer Sache oder Person abrechnet.

Sein Blogeintrag über Koriander wuchs zur Diatribe von zwölf Absätzen.

Herkunft: Von griechisch diatribe, eigentlich Zeitvertreib, dann auch Unterhaltung und Lehrvortrag.

die Digression

Abschweifung vom eigentlichen Thema einer Rede oder eines Textes.

Nach einer kleinen Digression über die Küche des Mittelalters kam die Dozentin wieder zum Thema.

Herkunft: Von lateinisch „digressio“, das Weggehen, Abschweifen.

das Diktum

Ein knapper, gewichtiger Ausspruch, der wie ein Urteil gilt. Gehoben.

Das Diktum der Großmutter galt in der ganzen Familie: Am Sonntag wird nicht über Geld gesprochen.

Herkunft: Lateinisch dictum, ‚das Gesagte‘, von dicere, ‚sagen‘.

elliptisch

Sprachlich verkürzt, sodass Satzteile weggelassen und nur mitgedacht werden. In der Geometrie: in der Form einer Ellipse.

Seine Nachrichten sind elliptisch: „Bahnhof. 18 Uhr. Schirm.“

Herkunft: Von griechisch „élleipsis“, Auslassung, Mangel.

die Eloge

Überschwängliche Lobrede auf einen Menschen.

Zum Abschied hielt die Chefin eine Eloge auf Frau Petersen, die vierzig Jahre die Buchhaltung geführt hatte.

Herkunft: Aus französisch „éloge“, Lobrede.

emphatisch

Mit starkem Nachdruck und spürbarem Gefühl vorgetragen.

„Auf keinen Fall!“, rief Lotte so emphatisch, dass das Thema erledigt war.

Herkunft: Von griechisch émphasis, Verdeutlichung, Nachdruck.

das Ethos

Die sittliche Grundhaltung eines Menschen oder einer Gruppe, etwa ein Berufsethos. In der Rhetorik: die Glaubwürdigkeit, mit der ein Redner überzeugt.

Ohne Ethos nützt die beste Statistik nichts, weil niemand dem Redner glaubt.

Herkunft: Aus griechisch ēthos, Gewohnheit, Charakter.

etwas ins Feld führen

Etwas als Argument oder Begründung anführen.

Gegen den Hund führte Pia ins Feld, dass keiner von ihnen vor sieben Uhr aufsteht.

Herkunft: Aus der Militärsprache: Ins Feld führte man ursprünglich Truppen, später wurde das Bild auf Argumente übertragen.

der Exkurs

Vom Hauptthema abzweigender Einschub.

Mitten in der Mathestunde machte der Lehrer einen Exkurs zur Mondlandung.

Herkunft: Lateinisch excursus, ‚das Herauslaufen, der Streifzug‘, von excurrere.

extemporieren

Aus dem Stegreif reden oder spielen, ohne Vorbereitung und ohne Vorlage.

Als der Beamer ausfiel, extemporierte die Referentin zwanzig Minuten lang, und es war ihr bester Vortrag.

Herkunft: Das Wort stammt aus der Theatersprache, wo es das freie Hinzudichten von Text auf der Bühne bezeichnete.

gedrechselt

Kunstvoll, aber gekünstelt formuliert, mit spürbar zu viel Mühe um den Ausdruck.

Das Anschreiben war so gedrechselt, dass die Personalerin dreimal lesen musste, worum es ging.

Herkunft: Vom Handwerk des Drechslers, der Holz auf der Drehbank in kunstvolle Formen bringt.

konzedieren

Jemandem in einem Punkt recht geben oder etwas zugestehen.

Ich konzediere, dass die Zahlen schwach sind, aber der Trend zeigt nach oben.

Herkunft: Von lateinisch „concedere“, weichen, zugestehen.

perorieren

Laut, lang und mit Nachdruck reden, als hielte man eine Rede.

Er perorierte über Sauerteig, bis die Eier kalt waren.

Herkunft: Von lateinisch perorare, eine Rede zu Ende führen, sich ausführlich aussprechen.

die Philippika

Gehoben: eine leidenschaftliche, scharfe Strafrede gegen jemanden.

Als er um drei Uhr nachts heimkam, erwartete ihn eine Philippika seiner Mitbewohnerin.

Herkunft: Nach den Reden des Demosthenes gegen König Philipp II.

die Polemik

Scharfer, angriffslustiger Streit mit Worten, meist in Texten: Eine Position wird zugespitzt und attackiert.

Seine Filmkritik war reine Polemik: Er hatte das Kino nach zehn Minuten verlassen.

Herkunft: Von griechisch polemikós, ‚kriegerisch‘, zu pólemos, ‚Krieg‘.

salbungsvoll

Übertrieben feierlich und getragen im Ton, wie bei einer Predigt.

Mit salbungsvoller Stimme verkündete der Chef die neue Kaffeemaschine.

Herkunft: Von der Salbung, dem feierlichen Bestreichen mit Öl bei der Weihe von Priestern und Königen.

die Sonntagsrede

Eine feierliche Rede voller schöner Absichten, die im Alltag folgenlos bleibt.

Bürgernähe kommt in jeder Sonntagsrede vor, im Bürgeramt merkt man davon wenig.

Herkunft: Gebildet nach dem Muster von Sonntagsstaat und Sonntagsbraten: Der Sonntag steht für das Feierliche und Herausgehobene, das man unter der Woche wieder im Schrank lässt.

die Spiegelfechterei

Ein Scheingefecht mit Worten, das Einsatz vortäuscht, ohne die eigentliche Frage anzugehen.

Die Haushaltsdebatte war reine Spiegelfechterei, die Zahlen standen längst fest.

Herkunft: Das Bild stammt aus der Fechtkunst: Wer vor dem Spiegel ficht, übt Hiebe ohne echten Gegner und ohne jedes Risiko.

suggestiv

So formuliert, dass es die gewünschte Antwort schon nahelegt. Die Suggestivfrage ist der bekannteste Fall.

Die Frage war suggestiv: Sie wollen doch sicher auch die Premiumvariante?

Herkunft: Über französisch suggestif zu lateinisch suggerere, ‚darunterlegen, eingeben‘.

der Topos

Ein Motiv oder Bild, das in Geschichten und Reden immer wiederkehrt. Fachsprachlich.

Die böse Stiefmutter ist ein fester Topos im Märchen, von Aschenputtel bis Schneewittchen.

Herkunft: Griechisch tópos, ‚Ort, Stelle‘.

die Verbalinjurie

Eine Beleidigung, die mit Worten ausgesprochen wird.

Dass er den Schiedsrichter einen „Blindfisch“ nannte, wertete das Sportgericht als Verbalinjurie.

Herkunft: Aus lateinisch verbalis, das Wort betreffend, und iniuria, Unrecht, Beleidigung.

der Whataboutism

Die Taktik, auf einen Vorwurf mit dem Hinweis auf die Verfehlungen anderer zu antworten, statt auf ihn einzugehen.

„Und was ist mit dir und dem Abwasch letzte Woche?“ Klassischer Whataboutism, Paulina.

Herkunft: Aus englisch what about…?, und was ist mit…?

die Worthülse

Ein wohlklingender Ausdruck oder eine Formel, hinter der kein greifbarer Inhalt steht.

Das Strategiepapier war eine Ansammlung von Worthülsen wie „nachhaltig aufstellen“.

Herkunft: Hülse gehört zum alten Verb hehlen, ‚verbergen‘, und meinte die Schale, die einen Kern umschließt.