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Biblische Begriffe und Bibelzitate im Alltag: 34 mit Bedeutung

Neben vielen Redewendungen hat die Bibel auch Wörter und ganze Sätze ins Deutsche gebracht, die man täglich hört. Hier stehen sie mit Bedeutung und Herkunft.

Wörter

der Ablasshandel

Das Freikaufen von Schuld mit Geld, ohne das eigene Verhalten wirklich zu ändern.

Der teure Blumenstrauß nach dem vergessenen Hochzeitstag war reiner Ablasshandel.

Herkunft: Im späten Mittelalter verkaufte die Kirche Ablassbriefe gegen Geld.

das Anathema

Etwas, das für jemanden völlig unannehmbar ist und gar nicht erst in Frage kommt.

Für meinen Vater ist Ketchup auf Weißwurst ein Anathema, darüber diskutiert er nicht einmal.

Herkunft: In der frühen Kirche die Formel, mit der Irrlehren und ihre Anhänger feierlich verdammt und ausgeschlossen wurden.

apokryph

Von zweifelhafter Echtheit oder Herkunft.

Galileis trotziges „Und sie bewegt sich doch“ ist wohl apokryph: In den Akten seines Prozesses steht davon kein Wort.

Herkunft: Griechisch apókryphos ‚verborgen‘.

die Epiphanie

Ein plötzlicher Moment tiefer Erkenntnis oder Erleuchtung.

Murakami hatte seine Epiphanie beim Baseball: Plötzlich wusste er, dass er einen Roman schreiben konnte.

Herkunft: Griechisch epipháneia ‚Erscheinung‘.

eschatologisch

Auf das Ende der Welt und die letzten Dinge bezogen, oft mit dem Ton von Weltuntergang.

Die Stimmung im Fanblock nach dem dritten Gegentor war geradezu eschatologisch.

Herkunft: Die Eschatologie ist in der Theologie die Lehre von den letzten Dingen: Tod, Gericht und Ende der Welt.

ex cathedra

Mit höchster Autorität und so, als sei kein Widerspruch möglich; oft spöttisch: von oben herab.

Er verkündete ex cathedra: Ananas gehört nie auf Pizza.

Herkunft: Lateinisch, vom Lehrstuhl herab; cathedra ist der Lehrstuhl des Bischofs.

die Exegese

Genaue Auslegung eines Textes, besonders der Bibel oder eines Gesetzes. Fachsprachlich.

Die Freundinnen betrieben eine gründliche Exegese seiner Nachricht, bis jedes Emoji gedeutet war.

Herkunft: Griechisch exḗgēsis ‚Erklärung‘, von exēgeísthai ‚herausführen, auslegen‘.

die Hagiografie

Lebensbeschreibung eines Heiligen, übertragen eine unkritisch verklärende Darstellung eines Menschen.

Die Firmenchronik ist eine einzige Hagiografie des Gründers, kein Wort über die Pleite von 1998.

Herkunft: Aus griechisch „hagios“, heilig, und „graphein“, schreiben.

das Himmelfahrtskommando

Ein Auftrag, der fast sicher scheitert und alle Beteiligten in Gefahr bringt.

Mit drei Leuten an einem Samstag einen ganzen Altbau leerzuräumen, war ein Himmelfahrtskommando.

Herkunft: Aus der Soldatensprache des Zweiten Weltkriegs für Einsätze, die kaum jemand überleben konnte.

die Hiobsbotschaft

Eine schlimme Nachricht, die meist unerwartet kommt.

Die Hiobsbotschaft kam per SMS: Der Nachtzug nach Wien fällt aus.

Herkunft: Nach Hiob im Alten Testament: Kurz hintereinander treffen Boten bei ihm ein, und jeder meldet ein neues Unglück, bis er fast alles verloren hat.

das Hosianna

Lauter, begeisterter Jubel für jemanden, der oft so schnell verfliegt, wie er gekommen ist.

Nach dem Siegtor gab es Hosianna für den Trainer, nach zwei Niederlagen pfiffen dieselben Leute.

Herkunft: Mit Hosianna wird Jesus beim Einzug in Jerusalem begrüßt, wenige Tage später ruft die Menge „Kreuzige ihn!“.

die Jeremiade

Wortreiche, wehleidige Klage über Missstände.

Nach dem verregneten Urlaub hielt Konstantin eine Jeremiade über das Ostseewetter, die länger dauerte als die Reise.

Herkunft: Nach dem Propheten Jeremia, dem die Bibel die Klagelieder über den Untergang Jerusalems zuschreibt.

das Kainsmal

Ein Zeichen, das jemanden auf Dauer als schuldig oder unehrenhaft kennzeichnet.

Der Rotweinfleck auf dem weißen Sofa der Gastgeber blieb sein Kainsmal: Bei jedem Besuch zeigte jemand darauf.

Herkunft: Aus dem 1.

die Litanei

Eine lange, eintönige Aufzählung von Klagen, Vorwürfen oder Forderungen.

Beim Elterngespräch hörte sich Frieda eine Litanei über vergessene Turnbeutel an.

Herkunft: Aus griechisch „litaneía“, Bitte.

das Menetekel

Ein unheilvolles Warnzeichen, das kommendes Unglück ankündigt. Gehoben.

Die ersten Wespen im Weinglas waren ein Menetekel: Das Picknick dauerte keine zehn Minuten mehr.

Herkunft: Aus dem Buch Daniel: Beim Festmahl des Königs Belsazar schreibt eine geisterhafte Hand die Worte „Mene mene tekel u-parsin“ an die Wand.

der Moloch

Eine übermächtige Macht, Organisation oder Stadt, die alles verschlingt, was man ihr gibt.

Nach zehn Jahren im Moloch Großstadt zog Wiebke zurück an die Ostsee.

Herkunft: Im Alten Testament ein Götze, dem Opfer dargebracht wurden und dessen Kult streng verboten war.

der Nimbus

Der besondere Glanz aus Ansehen und Unantastbarkeit, der eine Person oder Sache umgibt.

Der Nimbus des Wunderkochs bröckelte, als herauskam, dass die Soßen vom Großmarkt kamen.

Herkunft: In der christlichen Kunst der Lichtschein um das Haupt von Heiligen.

der Pharisäer

Ein selbstgerechter Mensch, der anderen Moral predigt und sich selbst für besser hält.

Er wettert gegen Fast Food und hat selbst Burgerpapier im Handschuhfach, so ein Pharisäer.

Herkunft: Die Pharisäer waren eine jüdische Glaubensrichtung zur Zeit Jesu.

das Schibboleth

Erkennungszeichen, an dem man sieht, ob jemand zu einer Gruppe gehört.

Ob man „Brötchen“ oder „Schrippe“ sagt, ist in Berlin ein kleines Schibboleth.

Herkunft: Aus dem Buch der Richter: Die Gileaditer erkannten fliehende Ephraimiter daran, dass sie „Schibboleth“ nicht aussprechen konnten und „Sibboleth“ sagten.

das Schisma

Eine tiefe Spaltung einer Gemeinschaft in zwei Lager, die sich nicht mehr versöhnen.

Über die Frage, ob in den Kartoffelsalat Mayonnaise gehört, kam es in unserer Familie zum Schisma.

Herkunft: Kirchengeschichtlicher Begriff, berühmt durch das Morgenländische Schisma von 1054, mit dem sich Ost- und Westkirche trennten.

das Tohuwabohu

Vollkommenes Durcheinander. Aus dem Hebräischen der Bibel, wo es „wüst und leer“ bedeutet.

Nach dem Kindergeburtstag herrschte im Wohnzimmer ein Tohuwabohu aus Luftschlangen und Kuchenkrümeln.

Herkunft: 1.

der Zelot

Glaubenseifriger Fanatiker, der seine Überzeugung unduldsam gegen alle durchsetzen will.

In Sachen Mülltrennung ist mein Nachbar ein Zelot, der sogar Joghurtdeckel nachkontrolliert.

Herkunft: Nach den Zeloten, einer jüdischen Bewegung des 1.

Sprichwörter

Alles hat seine Zeit

Für alles gibt es den richtigen Moment. Nichts muss immer sein.

Schon im Buch Kohelet heißt es, alles habe seine Zeit: das Weinen und das Lachen, das Pflanzen und das Ernten.

Herkunft: Aus dem Buch Prediger (Kohelet 3,1): „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ Es folgt die berühmte Reihe „Geborenwerden hat seine Zeit, Sterben hat seine Zeit“.

Auge um Auge, Zahn um Zahn

Vergeltung im gleichen Maß: Wer einem schadet, dem schadet man genauso.

Er parkte sie zu, sie parkte ihn zu: Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Herkunft: Aus dem Alten Testament (2.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

Es braucht mehr als das Materielle.

Sie hat den besser bezahlten Job abgelehnt und ist beim Orchester geblieben, der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

Herkunft: Aus dem 5.

Der Prophet gilt nichts im eigenen Vaterlande

Wer daheim wirkt, wird dort oft verkannt und erst in der Fremde geschätzt.

Im Dorf galt er als Spinner, in Paris hingen seine Bilder im Museum: Der Prophet gilt nichts im eigenen Vaterlande.

Herkunft: Jesus über die Ablehnung in seiner Heimatstadt Nazareth (Matthäus 13,57).

Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert

Gute Absichten ohne Taten oder mit schlechten Folgen richten Schaden an.

Ihr Naturgarten gehört jetzt dem Giersch. Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.

Ehre, wem Ehre gebührt

Anerkennung dem, der sie verdient hat.

Ehre, wem Ehre gebührt: Das Rezept für diesen Apfelstrudel stammt von meiner Tante aus Graz.

Herkunft: Aus dem Römerbrief des Paulus (13,7): „So gebt nun jedermann, was ihr schuldig seid: … Ehre, dem die Ehre gebührt.“

Hochmut kommt vor dem Fall

Überheblichkeit führt oft zu Niederlagen.

Beim Skiurlaub erklärte mein Bruder allen die perfekte Carving-Technik, zwei Kurven später lag er im Tiefschnee. Hochmut kommt vor dem Fall.

Herkunft: Aus dem Buch der Sprüche (16,18): „Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz.“ Die deutsche Kurzform ist seit Luther verbreitet.

Sic transit gloria mundi

So schnell vergeht der Ruhm, alles Glanzvolle ist vergänglich.

Vor zehn Jahren kannte jeder die Band, heute spielt sie im Dorfgemeinschaftshaus. Sic transit gloria mundi.

Herkunft: Die Formel wurde früher bei der Krönung eines neuen Papstes gesprochen, während vor ihm ein Büschel Werg verbrannte, als Mahnung an die Vergänglichkeit.

Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein

Wer anderen schaden will, trifft am Ende sich selbst.

Die Hexe wollte Hänsel in den Ofen schieben und landete am Ende selbst darin: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

Herkunft: Aus dem Alten Testament: „Wer eine Grube macht, der wird hineinfallen“ (Sprüche 26,27; ähnlich Psalm 7,16).

Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um

Wer Gefahr sucht, wird irgendwann von ihr eingeholt.

Weißes Hemd, Spaghetti mit Tomatensoße: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.

Herkunft: Aus dem apokryphen Buch Jesus Sirach (3,27): „Wer sich gern in Gefahr begibt, der kommt darin um.“ Seit Luthers Übersetzung sprichwörtlich.

Wer Wind sät, wird Sturm ernten

Wer Unruhe stiftet, bekommt sie vervielfacht zurück.

Wer den Nachbarn jeden Sonntag mit dem Laubbläser weckt, muss sich über dessen Schlagzeug nicht wundern: Wer Wind sät, wird Sturm ernten.

Herkunft: Aus dem Alten Testament: „Denn sie säen Wind und werden Sturm ernten“ (Hosea 8,7), über die Abkehr Israels von Gott.

Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über

Wovon jemand innerlich erfüllt ist, davon spricht er unweigerlich.

Zwanzig Minuten über Bienen: Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.

Herkunft: Aus Luthers Bibelübersetzung (Matthäus 12,34).