gutgesagt

Lateinische Sprichwörter und Weisheiten aus der Antike: 36 mit Bedeutung

Viele lateinische Sätze sind bis heute im Umlauf, in Reden, Zeugnissen und Mails. Hier stehen bekannte Sprichwörter und Wendungen aus Rom und der Antike, lateinisch und in deutscher Form, mit Bedeutung, Beispiel und Herkunft.

Redewendungen

ab ovo

Ganz von vorn, bei den allerersten Anfängen beginnend.

Frag Opa bloß nicht nach dem Weg, der erklärt alles ab ovo.

Herkunft: Aus der „Ars poetica“ des Horaz: Ein guter Dichter beginne den Trojanischen Krieg nicht beim Ei der Leda, aus dem Helena schlüpfte.

attisches Salz

Feiner, geistreicher Witz, der eine Rede oder einen Text würzt.

Ihre Festrede hatte genau die richtige Prise attisches Salz.

Herkunft: Nach lateinisch sal Atticum: Schon die Römer rühmten den feinen Witz der Athener.

Brot und Spiele

Billige Vergnügungen, mit denen Mächtige die Leute bei Laune halten und von Wichtigerem ablenken.

Im Circus Maximus fanden weit über hunderttausend Menschen Platz: Brot und Spiele im ganz großen Stil.

Herkunft: Der römische Satiriker Juvenal spottete, das Volk wünsche sich nur noch zwei Dinge: „panem et circenses“, Brot und Zirkusspiele.

den gordischen Knoten durchschlagen

Ein unlösbares Problem mit einem kühnen Schnitt beenden.

Der Sage nach durchschlug Alexander der Große den gordischen Knoten einfach mit dem Schwert.

Herkunft: In der Stadt Gordion stand ein alter Wagen, dessen Joch mit einem kunstvoll verschlungenen Knoten an der Deichsel befestigt war.

den Rubikon überschreiten

Einen entscheidenden Schritt wagen, nach dem es kein Zurück mehr gibt.

Sie hat den Rubikon überschritten: Der Ring ist gekauft.

Herkunft: Der Rubikon war ein kleiner Fluss in Norditalien, die Grenze zum römischen Kernland.

do ut des

Ich gebe, damit du gibst: Prinzip der Gegenseitigkeit.

Die Nachbarn leben nach dem Prinzip do ut des: Er gießt ihre Tomaten, sie backt ihm Zwetschgenkuchen.

Herkunft: Lateinisch, ‚ich gebe, damit du gibst‘.

ein Augurenlächeln tauschen

Sich als Eingeweihte wissend anlächeln, weil beide durchschauen, wie wenig hinter einer feierlichen Fassade steckt.

Als der Vorstand die „Neuausrichtung“ zum dritten Mal in zwei Jahren verkündete, tauschten die alten Hasen im Saal ein Augurenlächeln.

Herkunft: Cicero überliefert den Spott Catos, er wundere sich, dass ein Wahrsager nicht lache, wenn er einen anderen sehe.

ein X für ein U vormachen

Jemanden dreist und dabei plump täuschen.

Zehn Euro für drei Postkarten? Da lässt sie sich kein X für ein U vormachen.

Herkunft: In römischen Zahlen steht V für fünf und X für zehn.

etwas ad calendas graecas verschieben

Etwas auf unbestimmte Zeit vertagen und damit in Wahrheit nie erledigen.

Kemal hat die Renovierung des Gästebads ad calendas graecas verschoben, die Fliesen stehen seit drei Jahren im Keller.

Herkunft: Laut Sueton sagte Kaiser Augustus über säumige Schuldner, sie würden an den griechischen Kalenden zahlen.

Eulen nach Athen tragen

Etwas Überflüssiges tun, etwa etwas dorthin bringen, wo es schon genug davon gibt.

Dem Konditor zum Geburtstag eine Torte mitzubringen hieße, Eulen nach Athen zu tragen.

Herkunft: Die Eule war das Tier der Stadtgöttin Athene und prägte die athenischen Münzen.

jemandem Tribut zollen

Jemandes Leistung ausdrücklich würdigen und ihr die verdiente Anerkennung erweisen.

Bei der Abschiedsfeier zollten alle der Hausmeisterin Tribut, die dreißig Jahre lang jedes Schloss repariert hatte.

Herkunft: Lateinisch tributum war die Steuer, die Rom von Bürgern und unterworfenen Gebieten verlangte.

sich auf seinen Lorbeeren ausruhen

Nach einem Erfolg nachlassen und nur noch vom früheren Ruhm zehren.

Nach dem Aufstieg hat sich die Mannschaft auf ihren Lorbeeren ausgeruht und prompt drei Spiele verloren.

Herkunft: In der Antike erhielten Sieger der Pythischen Spiele und römische Feldherren im Triumphzug einen Kranz aus Lorbeer.

sui generis

Von ganz eigener Art, unvergleichlich.

Das Schnabeltier ist ein Wesen sui generis: Es legt Eier, säugt seine Jungen und trägt einen Entenschnabel.

Herkunft: Lateinisch, ‚seiner eigenen Gattung‘, von genus, ‚Art, Geschlecht‘.

Vae victis

Wer verliert, hat keine Ansprüche mehr und muss nehmen, was der Sieger bestimmt.

Wer beim Kartenspiel verliert, muss auch noch abwaschen. Vae victis.

Herkunft: Nach Livius rief der gallische Anführer Brennus diese Worte, als sich die besiegten Römer über falsche Gewichte beim Abwiegen des Lösegelds beschwerten, und warf noch sein Schwert in die Waagschale.

über jemanden den Daumen senken

Jemanden oder etwas endgültig verwerfen und damit das Aus besiegeln.

Die Jury senkte über den Entwurf den Daumen, noch bevor die Präsentation zu Ende war.

Herkunft: Nach der verbreiteten Vorstellung, das Publikum im römischen Amphitheater habe mit gesenktem Daumen über das Schicksal eines unterlegenen Gladiators entschieden.

Sprichwörter

Auch du, Brutus?

Ausruf, wenn sich ausgerechnet ein Vertrauter gegen einen stellt.

Du bestellst auch den Salat? Auch du, Brutus? Ich dachte, wir teilen uns die Pommes.

Carpe diem

Nutze den Tag: Genieße den Moment, statt das Schöne auf später zu verschieben.

In ‚Der Club der toten Dichter‘ bringt Lehrer Keating seinen Schülern das Carpe diem bei.

Herkunft: Aus einer Ode des römischen Dichters Horaz: „carpe diem, quam minimum credula postero“, pflücke den Tag und verlass dich möglichst wenig auf den nächsten.

Ceterum censeo

Eine Forderung, die jemand bei jeder Gelegenheit hartnäckig wiederholt, egal worum es gerade geht.

Ob Weinliste oder Dessert, ihr Ceterum censeo bei jedem Abendessen bleibt: Nächsten Sommer fahren wir nach Sizilien.

Herkunft: Der römische Staatsmann Cato der Ältere soll im Senat jede Rede, gleich zu welchem Thema, mit der Forderung beendet haben, Karthago müsse zerstört werden.

Der Würfel ist gefallen

Die Entscheidung ist unwiderruflich getroffen.

Als Caesar mit seinem Heer den Rubikon überschritt, soll er gesagt haben: Der Würfel ist gefallen.

Herkunft: Caesar soll die Worte „alea iacta est“ gesprochen haben, als er 49 v.

Die Trauben hängen zu hoch

Was man nicht erreichen kann, erklärt man kurzerhand für nicht erstrebenswert.

Seit Valentin bei der Theatergruppe abgelehnt wurde, findet er Schauspielerei überbewertet. Die Trauben hängen eben zu hoch.

Herkunft: Aus der Fabel „Der Fuchs und die Trauben“, die Äsop zugeschrieben wird.

Difficile est saturam non scribere

Manche Zustände sind so absurd, dass man kaum anders kann, als darüber zu spotten.

Die Behörde verlangte eine Bescheinigung darüber, dass keine Bescheinigung nötig sei. Difficile est saturam non scribere.

Herkunft: Aus den Satiren des römischen Dichters Juvenal (um 100 n.

Eile mit Weile

Handle zügig, aber mit Bedacht.

„Eile mit Weile“, sagte sie, als er den Kuchen nach zehn Minuten schon aus dem Ofen holen wollte.

Herkunft: Nach dem Wahlspruch des Kaisers Augustus „festina lente“ (griechisch „speude bradeos“), überliefert bei Sueton.

Erkenne dich selbst

Aufforderung zur ehrlichen Selbstprüfung als Anfang aller Klugheit.

Am Apollontempel von Delphi stand in Stein gemeißelt: „Erkenne dich selbst.“

Herkunft: „Gnothi seauton“ stand am Apollontempel von Delphi, dem wichtigsten Orakel Griechenlands.

Geld stinkt nicht

Geld sieht man seine Herkunft nicht an; auch aus unfeinen Quellen ist es gutes Geld.

Er verkauft auf dem Flohmarkt die Porzellanfiguren, die er immer hässlich fand, und grinst: Geld stinkt nicht.

Herkunft: Kaiser Vespasian erhob eine Abgabe auf öffentliche Bedürfnisanstalten.

Hannibal ante portas

Scherzhafte Warnung: Eine Gefahr oder ein gefürchteter Besuch steht unmittelbar bevor.

Hannibal ante portas: Die Gäste stehen schon unten, und der Risotto ist noch roh.

Herkunft: Im Zweiten Punischen Krieg rückte der Karthager Hannibal bis in die Nähe Roms vor.

Hic Rhodus, hic salta

Aufforderung, eine behauptete Fähigkeit hier und jetzt unter Beweis zu stellen.

Leon behauptete, er backe den perfekten Hefezopf ohne Rezept, also stellte ihm seine Oma das Mehl hin: „Hic Rhodus, hic salta.“

Herkunft: Aus einer Fabel Äsops: Ein Prahler rühmt sich eines gewaltigen Sprungs, den er auf Rhodos getan habe, und bekommt zur Antwort, hier sei Rhodos, hier solle er springen.

Homo homini lupus

Der Mensch verhält sich seinesgleichen gegenüber wie ein Raubtier.

Beim Schlussverkauf am Wühltisch dachte Fenja nur: Homo homini lupus.

Herkunft: Aus der Komödie „Asinaria“ des Plautus, berühmt gemacht durch den Philosophen Thomas Hobbes, der damit den Naturzustand der Menschen beschrieb.

In vino veritas

Unter Alkohol sagen Menschen eher, was sie wirklich denken.

Nach dem zweiten Glas Rotwein gab Moritz zu, dass er die Hochzeitsrede seines Bruders kitschig fand. In vino veritas.

Herkunft: Die lateinische Fassung eines griechischen Spruchs, der schon beim Dichter Alkaios überliefert ist.

Irren ist menschlich

Fehler gehören zum Menschsein.

Der Wanderführer hatte auf den falschen Gipfel gezeigt und lachte: Irren ist menschlich.

Herkunft: Aus dem lateinischen „Errare humanum est“.

Mens sana in corpore sano

Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper: Wer den Körper pflegt, tut auch dem Kopf gut.

Bei Juvenal war „mens sana in corpore sano“ ein Gebet, heute ist es das Motto vieler Sportvereine.

Herkunft: Aus der 10.

Nomen est omen

Der Name verrät bereits, was man von seinem Träger zu erwarten hat.

Der neue Bäcker heißt Herr Krume. Nomen est omen.

Herkunft: Geht auf den römischen Komödiendichter Plautus zurück, bei dem es „nomen atque omen“ heißt, Name und zugleich Vorzeichen.

O tempora, o mores

Klage über den Verfall der Sitten und den Zustand der Gegenwart.

„Keiner schreibt mehr Postkarten aus dem Urlaub, o tempora, o mores“, seufzte Tante Waltraud.

Herkunft: Ausruf Ciceros in seiner ersten Rede gegen Catilina (63 v.

pecunia non olet

Geld stinkt nicht: Man sieht ihm nicht an, aus welcher unfeinen Quelle es stammt.

Die Galerie lebt vom Geld eines Schrotthändlers. Pecunia non olet, sagt die Chefin.

Herkunft: Der römische Kaiser Vespasian besteuerte den Urin aus öffentlichen Latrinen, den Gerber und Wäscher brauchten.

Si vis pacem, para bellum

Wer Frieden will, muss stark genug sein, ihn zu verteidigen.

Vor jeder Eigentümerversammlung druckt Uwe alle Belege aus. Si vis pacem, para bellum.

Herkunft: Geht auf den spätrömischen Militärschriftsteller Vegetius zurück, bei dem es heißt: „Igitur qui desiderat pacem, praeparet bellum.“

Tempus fugit

Die Zeit verrinnt schneller, als man es wahrhaben möchte.

Mein Patenkind macht schon Abitur? Tempus fugit.

Herkunft: Verkürzt aus einem Vers des römischen Dichters Vergil: „fugit irreparabile tempus“, es flieht die unwiederbringliche Zeit.

Veni, vidi, vici

Ich kam, sah und siegte: triumphierender Ausruf nach einem schnellen, mühelosen Erfolg.

Erster Flohmarkt, erstes Feilschen, und die Vintage-Lederjacke kostet nur noch zehn Euro. Veni, vidi, vici.

Herkunft: Mit diesen drei Worten meldete Caesar 47 v.