den Augiasstall ausmisten
Redewendung · gehoben [deːn ˈaʊ̯ɡiasʃtal ˈaʊ̯smɪstn̩]
Bedeutung
Lange vernachlässigte Missstände radikal aufräumen.
Wörtlich: Den riesigen, nie gereinigten Stall des Augias säubern
Beispiele
- Die neue Pächterin der Naturwein-Bar mistete erst einmal den Augiasstall aus: Hinterm Tresen lagen Kisten von drei Vorgängern.
- Mit dem Code civil mistete Napoleon den Augiasstall des französischen Rechts aus: Hunderte regionale Gewohnheitsrechte wichen einem einzigen Gesetzbuch.
So benutzt man es
Bildungssprachlich und kraftvoll, für Sanierer, neue Vorstände und Reformerinnen, die jahrelange Versäumnisse aufräumen. In der Antrittsrede ein starkes Bild, gegenüber dem Vorgänger aber ein deutlicher Seitenhieb.
Herkunft
Augias war ein König der griechischen Sage, dessen Rinderställe seit dreißig Jahren nicht gereinigt worden waren. Herakles schaffte es an einem Tag, indem er zwei Flüsse durch die Ställe leitete. Seither steht das Bild für das radikale Aufräumen eines uralten Missstands.
Statt …
Statt „gründlich aufräumen“. Der Augiasstall macht aus dem Aufräumen eine Herkulesarbeit an jahrelang gewachsenen Missständen.
